Rom erwägt Lösegeldzahlung

20. April 2004, 20:14
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Verhandlungen mit Sunnitenführern über drei verbliebene Geiseln

Italienische Unterhändler bemühen sich im Irak um die Freilassung der drei Geiseln, die sich noch in den Händen sunnitischer Freischärler befinden. Der einflussreiche Sunnitenführer Abdel Kubaissi äußerte nach einem Gespräch mit dem italienischen Botschafter "vorsichtigen Optimismus". Die Freilassung werde durch den Umstand erschwert, dass die Italiener "bewaffnet gewesen seien und zum Schutz der Besatzungstruppen beigetragen" hätten.

Die TV-Station Al Jazeera sendete einen Appell der Schwester eines der Entführten, das Leben der Geiseln zu schonen. Nach Überzeugung des italienischen Geheimdienstes handelt es sich bei der bisher unbekannten Organisation "Grüne Brigaden" um eine isolierte Freischärlergruppe. Die Geiseln seien offenbar von einem Taxifahrer in die Hände der Entführer gebracht worden. "Taxifahrer erhalten bis zu 10.000 Dollar für die Übergabe von Ausländern an Guerillagruppen", erklärte ein Kollege des erschossenen Italieners in Bagdad.

In Rom wird die Zahlung eines Lösegeldes nicht ausgeschlossen. Europaminister Rocco Buttiglione erklärte, in diesem Fall müsse die "Garantie bestehen, dass das Geld nicht für terroristische Zwecke" verwendet werde. Die Lega Nord sprach sich entschieden dagegen aus. Der Sprecher der Nationalen Allianz, Ignazio La Russa, schloss Verhandlungen der Regierung mit den Freischärlern aus. "Doch die Geheimdienste können tun, was sie für günstig halten." Die Entscheidung Madrids, ihre Truppen abzuziehen, hat in Rom deutliche Irritation ausgelöst. Buttiglione sprach von einem "verhängnisvollen Schritt". Regierungschef Silvio Berlusconi befürchtet eine zunehmende innen- und außenpolitische Isolierung für seinen US-freundlichen Kurs. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2004)

Gerhard Mumelter aus Rom
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