Spanische Truppen in fünf bis sechs Wochen zu Hause

20. April 2004, 17:13
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Soldaten aus El Salvador, Honduras und Dominikanische Republik übernehmen Aufgaben - Zapatero verteidigt Truppenabzug - Aznar: Eine Tragödie für Spanien

Madrid - Bereits mit seiner ersten Amtshandlung hat der spanische Premierminister bewiesen, dass er nicht der Zauderer ist, für den ihn Gegner, aber auch einige politische Freunde gehalten hatten. Am Tag nach seiner Angelobung und nur wenige Minuten nachdem Verteidigungsminister José Bono in Anwesenheit von König Juan Carlos seinen Amtseid abgelegt hatte, ordnete José Luis Rodríguez Zapatero den "unverzüglichen" Abzug der im Irak stationierten 1300 spanischen Soldaten an.

In weniger als sechs Wochen sollen die 1.300 spanischen Soldaten aus dem Irak zurückgekehrt sein, verkündete der spanische Verteidigungsminister Jose Bono am Montag. "Es wäre unklug von sechs bis acht Wochen zu sprechen, weil es weniger sein werden", so Bono auf einer Pressekonferenz in Madrid. Der polnische General Mieczyslaw Bieniek sprach vor Journalisten im Camp Babylon von fünf Wochen. Die Aufgaben der Spanier werden danach von Einheiten aus El Salvador, Honduras und der Dominikanischen Republik übernommen, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP.

Der Prozess zum Abzug der spanischen Truppen aus Irak hat bereits begonnen. Die US-Regierung war von der schnellen Entscheidung der spanischen Regierung zum Abzug ihrer Soldaten aus dem Irak "etwas überrascht". Das sagte Außenamtssprecher Richard Boucher am Montag in Washington. "Wir bedauern, dass (Spanien) seine Rückzugsentscheidung so abrupt angekündigt hat", sagte Boucher.

Er appellierte an die Regierung in Madrid, den Abzug so mit den anderen Koalitionspartnern zu koordinieren, dass an den Einsatzorten der spanischen Soldaten im Irak kein Vakuum entstehe. Der neue spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos trifft seinen US- Kollegen Colin Powell am Mittwoch in Washington.

Zapatero verteidigte unterdessen seine Entscheidung: Die Sicherheit der Truppe sei im Mittelpunkt seiner Überlegungen gestanden, sagte der Premier in einer fünf Minuten dauernden Fernsehansprache am Sonntagabend, weshalb er die Rückkehr des Irak-Kontingents zum "raschestmöglichen Zeitpunkt" befohlen habe. Er habe außerdem sein Wahlversprechen erfüllen wollen, die sozialistische Regierung sei nicht bereit, gegen den Willen der Mehrheit der Spanier zu handeln.

Im Widerspruch zu seiner Regierungserklärung vom vergangenen Donnerstag, als Zapatero als Frist für den Rückzug Ende Juni genannt und den Verbleib im Irak mit der Übernahme eines UNO-Mandats verknüpft hatte, sagte der Premier nun, er sei zur Überzeugung gekommen, dass eine solche UNO-Resolution "nicht zu erwarten sei".

Vertreter aller politischen Parteien begrüßten die Maßnahme, nur der Obmann der Volkspartei (PP), Mariano Rajoy, sprach von einem bedauerlichen Vorgehen, das viele Verbündete brüskiert hätte. Expremier Aznar nannte den angekündigten Abzug eine "Tragödie für Spanien". Außenminister Moratinos reist heute, Dienstag, nach Washington. Dabei wird er wohl der US-Regierung versichern, dass die neue spanische Regierung auch in Zukunft am Kampf gegen den Terrorismus teilnimmt. (red/APA/Josef Manola, DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2004)

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