Verschämte Wahlhilfe

27. April 2004, 17:53
42 Postings

Der blaue Sippenwahlkampf ist verschämt und peinlich - von Barbara Tóth

Die FPÖ hat das Prinzip der Sippenhaftung in den Bundespräsidentenwahlkampf eingeführt: Weil sich die Herren Haider und Haupt nicht offiziell für die ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner aussprechen wollen, tun es eben ihre Frauen Claudia und Renate. Beide sind offiziell dem "Wir für Benita"-Komitee beigetreten. Ex-FP-Verkehrsministerin Monika Forstinger hat sogar eine eigene "Benita"-Plattform gegründet. Sie alle taten das natürlich aus völlig freiem Willen - und ohne wie auch immer geartete Absprache mit der Parteizentrale.

Dass sich nun ausgerechnet Trägerinnen prominenter blauer Familiennamen per Inserat deklarieren, ist kein Zufall. Bei dieser Wahl entscheidet nicht Partei-, sondern Geschlechtszugehörigkeit über das Wahlverhalten. Den "Benita"-Machern in der ÖVP kommen die Low-Key-Liebesbezeugungen von blauer Damenseite somit nicht ungelegen. Sie könnten ihrer Kandidatin die paar Tausend Stimmen mehr bringen, die sie im Kopf-an-Kopf-Rennen um die Hofburg dringend brauchen wird.

Mehr noch: Würden nicht Claudia und Renate, sondern Jörg Haider und Herbert Haupt für Ferrero werben, könnte es ihr sogar schaden. Denn dann stünde die ach so liebenswürdige "Benita" endgültig als das da, was sie eigentlich ist: als Bewerberin der Wenderegierung. Und das könnte wiederum jenes Drittel an Grün-Wählern verschrecken, die sie für ihren Wahlsieg unbedingt braucht.

In Summe ist dieser blaue Sippenwahlkampf also nicht nur sehr verschämt, sondern auch peinlich. Natürlich hat jeder das Recht, einem Wahlkomitee für wen auch immer beizutreten. Aber so zu tun, als hätte das mit Parteitaktik absolut nichts zu tun, heißt, die Intelligenz der Wählerinnen zu beleidigen. Im Übrigen nicht zum ersten Mal in diesem Wahlkampf. (DER STANDARD, Printausgabe 20.4.2004)

Share if you care.