Kopf des Tages:Brigitte Jank

19. April 2004, 19:40
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Auch sie will erste Präsidentin werden

Noch eine, die antritt, um erste Präsidentin zu werden - die erste in der Wiener Wirtschaftskammer. Ein Amt mit mindestens, wenn nicht sogar mehr Einfluss und Gestaltungsmöglichkeit als die Bundespräsidentschaft. Schließlich kann der Erste oder die Erste in Wirtschaftsbund und Wirtschaftskammer von Wien nicht nur Geschicke und Rahmenbedingungen des wichtigsten Wirtschaftsstandortes in Österreich maßgeblich beeinflussen - sondern auch als Königsmacher in der Wiener ÖVP agieren. Bei entsprechendem politischem Gewicht.

Ob sie dieses entwickeln kann, wird Brigitte Jank erst unter Beweis stellen müssen. Zu kurz ist die Leiterin der Wiener Immobiliensparte erst Vizepräsidentin in der Kammer - gerade erst einmal ein Jahr lang. Für den nächsten Schritt wurden am Freitag die formalen Weichen gestellt: Einstimmig wurde sie von zwei Gremien im Wirtschaftsbund für die Obmannwahl am 11. Mai als einzige Kandidatin empfohlen. Damit sind auf dem Weg zur Spitzenkandidatur für die Wirtschaftskammerwahl 2005 keine Hemmnisse mehr zu erwarten.

Und dann wird sie auch politisch Stellung beziehen müssen. Ob sie sich selbst eher dem liberalen oder dem konservativen Flügel zuordnen würde? "Ich bin in erster Linie sachorientiert", erklärt Jank, "und ich stelle das menschliche Verständnis über alles. Ob in der Politik oder in der Wirtschaft: Mir ist es wichtig, dass alle als Menschen geachtet werden." Dieses "offene Weltbild" habe sie als langjährige Präsidentin eines internationalen Immobilienverbandes bekommen, "wo ich viel in der Welt herumgekommen bin". Geprägt hat sie aber auch ihre "Affinität zu Irland", wo sie oft und gerne ihren Urlaub verbringt. "Dort sind alle ebenbürtig, egal was sie tun oder welche Ausbildung sie haben - sie gelten alle gleich."

Womit sie sich sonst in ihrer Freizeit beschäftigt? "Meine Familie würde fragen: Was ist das, ,Freizeit'?", lacht die Mutter einer 22-jährigen Tochter. Verheiratet ist Jank "seit vielen, vielen Jahren mit demselben Mann". Durch den kam sie in ihren Job: "Ich hatte das Glück, in den Familienbetrieb meines Mannes einzusteigen." Jener wurde später ordentlich umgekrempelt. "Der Betrieb war auf Immobilienverwaltung spezialisiert - wir haben den Schwerpunkt in Richtung Bewertung und Beratung verlagert." Dazu kam dann das "Engagement für die Branche", das schrittweise in die Politik führte. Infolge dieses Engagements ist es Jank auch gelungen, einen Lehrgang für Immobilienwirtschaft an der Fachhochschule Wien zu etablieren, wo sie jetzt selbst als Lektorin lehrt.

Was immer sie anpackt, Jank ist "eine Arbeiterin". Jetzt arbeitet sie mit einem Team an einem Programm, das sie vor ihrer Wirtschaftsbundwahl präsentieren wird. Als erste Frau in dieser Position. (Roman David-Freihsl, Der Standard, Printausgabe, 20.04.2004)

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