Mailüfterl bremst Jobabbau ein

26. April 2004, 15:14
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Siemens-Chef Heinrich von Pierer überdenkt seine Pläne, 2500 Jobs ins Ausland zu verlagern, noch einmal - Wachstum generieren Elektro- und Automatisierungstechnik aber nur im Osten

Die Wolkendecke über dem Himmel zeigt nach drei schwierigen Jahren zwar eine leichte Auflockerung. Die Rufe nach einer Verlängerung der Arbeitszeit von 35 auf 40 oder gar 42 Stunden verstummten deshalb aber nicht. Aber sie werden moderater.

Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer etwa relativierte auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover seine Forderungen: "Wir haben vorläufig alle Verlagerungen gestoppt und wollen auch nicht für alle Bereiche die 40-Stunden-Woche", sagte Pierer auf eine STANDARD-Frage.

Anfang April waren 2500 Stellen in den Sparten Mobilfunk, Festnetz und Energieübertragung als verlagerungswürdig genannt worden. "Ich kämpfe um die Arbeitsplätze der Leute", versicherte der Konzernchef. Eine Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen.

Noch mehr Gewinn

Von Siemens Österreich erwartet Pierer im Vorfeld der Halbjahreszahlen, die nächste Woche vorgelegt werden, "noch bessere Ergebnisse" - obwohl der Österreich-Ableger 2003 im Konzernranking zum vierten Mal in Folge den besten Geschäftswertbeitrag abgeliefert hatte.

Quasi als Belohnung wird den Österreichern nach Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, der Slowakei und Rumänien nun auch die Regionalverantwortung für Bulgarien übertragen. Intern gilt dies bereits als fix, offiziell will Pierer "darüber noch nachdenken", wie er scherzhaft anmerkte.

Wachstum gibt es praktisch nur im Osten

Leicht wird sich diese Vorgabe nicht erfüllen lassen. Denn Wachstum gibt es praktisch nur im Osten. Die Automatisierungsbranche etwa glaubt zwar eine Auflösung des Investitionsstaus zu verspüren - was in Umsatz und Auftragseingang ein leichtes Plus ergeben sollte. Dank Automobilindustrie konnten Elektro- und Elektronikindustrie den Beschäftigungsrückgang sogar stoppen.

Die Maschinenbauer suchten optimistische Hoffnungen auf einen stürmischen Aufschwung überhaupt zu zerstreuen: Die Erholung werde weiterhin vom Ausland - primär von den EU-Erweiterungsländern und dem Fernen Osten, allen voran China und Japan - getragen. Heuer werde sich der Umsatz im Schnitt um zwei Prozent erhöhen - womit sie etwas über dem prognostizierten Industriewachstum (1,5 bis 1,7 Prozent) liegen dürften.

Butter aufs Brot

Unverzichtbar ist der Osten auch für die österreichischen "Siemensianer" - er ist sozusagen die Butter aufs Brot, stagniert das Industriegeschäft hierzulande mit einer Wachstumsrate von 1,5 bis zwei Prozent doch de facto. In Zen- tral- und Osteuropa hingegen wächst der Elektromarkt jährlich um sechs Prozent. 2003 erwirtschaftete die von Vorstand Brigitte Ederer geleitete Industriesparte in Österreich mit 3300 Mitarbeitern rund 835 Mio. Euro Umsatz.

Das Erfolgsrezept ist immer das gleiche: Siemens geht mit Firmen wie dem VA-Tech-Industrieanlagenbau, für den Automatisierungs- und Prozesstechnik geliefert wird, mit und generiert so Exportwachstum. "So wachsen wir tatsächlich schneller als der Markt", sagte Ederer.(Luise Ungerboeck aus Hannover, Der Standard, Printausgabe, 20.04.2004)

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    Von Siemens Österreich erwartet Pierer im Vorfeld der Halbjahreszahlen, die nächste Woche vorgelegt werden, "noch bessere Ergebnisse" - obwohl der Österreich-Ableger 2003 im Konzernranking zum vierten Mal in Folge den besten Geschäftswertbeitrag abgeliefert hatte.

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