"Ganz wichtig, lokale Experten zu beschäftigen"

21. April 2004, 07:09
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Heimische Sicherheitsunternehmen sind nur selten im Ausland aktiv, OMV vertraut auf Einheimische

Wien - Während die USA im Irak auf die private Sicherheitsindustrie setzen, ist man in Österreich eher vorsichtig, was den Export von Wachmännern anlangt. "Für uns ist es ganz wichtig, in Sicherheitsfragen lokale Experten zu beschäftigen", betont etwa OMV-Pressesprecher Thomas Huemer. "Es gibt aber natürlich auch Konzerne, die Personal aus ihrem Heimatland mitnehmen, dabei kommt es dann aber immer wieder zu sprachlichen und mentalen Problemen, generell spiegelt das ein Einigeln wider", erklärt er.

Derzeit ist der Großkonzern nur in einem Land mit heikler Sicherheitslage tätig, in Pakistan. Dort gilt es Gaseinrichtungen und den Firmensitz zu schützen, eine Aufgabe, die von einem pakistanischen Sicherheitsunternehmen erfüllt wird. "Die Mitarbeiter sind großteils Exmilitärs die speziell geschult werden und keine kriminelle Vergangenheit haben dürfen", erläutert Huemer. Erst vor kurzem sei das gesamte System von Amnesty International, das mit der OMV eine Kooperation hat, überprüft und für gut befunden worden.

"Community-Development"

Neben dem reinen Schutz der Einrichtungen sieht man aber auch die Notwendigkeit der Entwicklung. "Community-Development ist ebenfalls wichtig, man kann nicht einfach eine Förderanlage hinstellen, sondern muss auch schauen, wie man die Situation der Anrainer verbessern kann."

Die rund 70 privaten österreichischen Sicherheitsdienstleister sind generell nur selten im Ausland aktiv. Ausnahmen sind laut Martin Wiesinger, Geschäftsführer der heimischen Dependance des weltgrößten Anbieters Securitas, nur Transporte. "Da kommt es natürlich schon vor, dass unsere Mitarbeiter über die Grenze fahren, aber sonst werden die Kunden an die Securitas-Niederlassungen vor Ort verwiesen."

Bei Group 4 Falck, das international rund 80 Filialen hat, verweist man dagegen auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse. "Wir hatten in der Vergangenheit durchaus schon Kunden aus dem arabischen Raum, die für Reisen durch Europa unbedingt österreichische Bodyguards haben wollten, schildert Pressesprecherin Dorothea Landrock. Wenn es der Auftraggeber wünscht, werden auch Objektschutzaufgaben im Ausland von heimischem Personal erledigt.

Bei der heimischen Antiterroreinheit Cobra wagt man keine Beurteilung über den Einsatz von Privatunternehmen in Krisengebieten. "Aus der Entfernung ist die Lage im Irak schwer zu beurteilen, aber ich kann mir die Präsenz der Sicherheitsfirmen nur als Übergangslösung vorstellen, bis die Polizeistrukturen aufgebaut sind", meint Cobra-Chef Bernhard Treibenreif. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2004)

von Michael Möseneder
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