Der Preis - Von RAU

25. April 2004, 16:00
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Das Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstandes zeichnete Schriftsteller Gerhard Roth aus

Der Schriftsteller Gerhard Roth hat den Preis des Dokumentationszentrums des österreichischen Widerstandes (DÖW) bekommen. Roth ist, wie Peter Huemer in seiner Laudatio sagte, ein "pedantischer Sammler, ein Reisender mit offenen Augen und Ohren, der wie ein Schwamm aufsaugt und festhält". Er hat das - in Österreich - Verschwiegene zum Thema seines Schreibens gemacht: Wie die Vernarrtheit so vieler in eine Ideologie des mörderischen Hasses und der Niedertracht zustande kam; wie diese Ideologie fürchterlich scheiterte; wie sie aber trotzdem weiterlebte, oft nicht einmal besonders verschämt; wie sie weiter ignoriert und bagatellisiert wird, ja sogar politisch reingewaschen und integriert. Zu Roths sechzigstem Geburtstag erzählte ein Österreicher mittlerer Generation eine Geschichte, die die Gäste verstummen ließ: Eine Verwandte von ihm sei in Polen zum Abtransport nach Auschwitz durch die Stadt getrieben worden.

Im letzten Moment habe sie ihre junge Tochter in ein Haustor gestoßen und ihr befohlen, ja nicht "Mama!" zu rufen, während sie weiterging. Die Tochter überlebte. Was das mit Gerhard Roth zu tun habe? Nur das, sagte der Erzähler: Er sei Roth dankbar dafür, dass es ihn gebe. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2004)

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    Hochdekoriert: Gerhard Roth (re.) erhielt 2003 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Gratulanten: Helmut Zilk, Andre Heller, Hans Rauscher.

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