Österreichische Weltraumforschung: Viereinhalb Jahrhunderte alt

26. April 2004, 12:25
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Neue Publikation bietet umfassenden Überblick über die Geschichte

Graz - Seit 1975 ist Österreich an Programmen der European Space Agency (ESA) beteiligt - die österreichische Geschichte der Weltraumforschung begann allerdings schon viel früher: genauer gesagt etwa um 1550. Dies legte der Grazer Physiker und Experte in Sachen "Raumfahrtforschungsgeschichte", Bruno Besser, am Dienstag im Rahmen einer Grazer ESA-Tagung dar.

Im Rahmen der größeren ESA-Reihe zur Weltraumgeschichte wurde der englischsprachige, rund 70-seitige Text nun veröffentlicht. Eine auf 250 Seiten erweiterte deutschsprachige Version soll noch Ende dieses Jahres erscheinen, stellte der Autor in Aussicht.

Kaum bekannte Pioniere

"Österreich hat eine Anzahl an Raumfahrt-Pionieren zu verzeichnen - umso erstaunlicher ist es, wie wenig von diesen klugen und erfinderischen Köpfen bekannt ist. Fragen Sie nur einmal jemanden auf der Straße, wer Viktor Franz Hess war", so der Grazer Physiker am Institut für experimentelle Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Besser hat eineinhalb Jahre lang an der Erstellung der ersten offiziellen Geschichte der österreichischen Weltraumaktivitäten gearbeitet. Dem bei Graz geborenen Physiker Hess, der für die Erforschung der kosmischen Strahlung im Jahr 1936 den Nobelpreis erhielt, wird in Bessers Publikation entsprechender Raum gewidmet. "Ich will jedoch keinesfalls werten, sondern die Errungenschaften so gut wie möglich dokumentieren", sagte der Autor.

Conrad Haas

Ebenfalls kaum bekannt ist der aus Dornbach bei Wien stammende Erfinder Conrad Haas (1509 - 1569), der Mitte des 16. Jahrhunderts im Gefolge der Truppen Kaiser Ferdinands im heute rumänischen Hermannstadt Überlegungen zum Raketenbau wälzte. In seinem "Kunstbuch" geht Haas auf fertigungstechnische Detailfragen ein.

Dabei erklärt er auch das Wirkungsprinzip der Rakete und beschreibt beispielsweise die Mehrstufenrakete, die Bündelrakete und die Idee des modernen Raumschiffs, so Besser. Haas skizziert sogar ein "Häuschen" für die Raketen, "mit dem Menschen in den Himmel hinauf geschossen werden sollen"- eine erste Idee der bemannten Raumfahrt.

Vergangenheit und Zukunft

Dass Johannes Kepler, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts jene Gesetze aufstellte, die die Bewegung der Planeten um die Sonne beschreiben, auch in Graz, Linz und Prag wirkte, ist vielleicht geläufig, "wer aber kennt schon Maximilian Hell, den ersten Leiter der Wiener Universitätssternwarte, der sich mit der Entstehung des Nordlichtes beschäftigte?", fragte Besser.

Rund 100 Biografien der Pioniere bis hin zu den österreichischen Schlüsselfiguren der Gegenwart aus der Wissenschaft als auch Wirtschaft hat Besser zusammengetragen. Die Grazer Tagung geht am Dienstag der Vergangenheit und Zukunft der österreichischen Aspekte der internationalen Raumforschung nach. (APA)

"Austria's History in Space - Österreichs Geschichte im Weltraum". Die Broschüre kostet 20 Euro und kann über die ESA bezogen werden: ESA Publications Division, ESTEC, PO Box 299, 220 AG Norwijk, Niederlande
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