Konfliktreiche Linzer "Orchesterprobe"

19. April 2004, 19:41
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Im Landestheater Linz wird geübt, was schon fertig ist: Giorgio Battistellis "Orchesterprobe"

Federico Fellini hatte gewarnt, Prova d'orchestra als politischen Film misszuverstehen - es gehe ihm um die Verstörung der Betrachter durch den Spiegel, der ihnen da anhand einer komplexen Orchester-Sozietät vorgehalten werde. Giorgio Battistelli glaubte nicht ganz daran; wie im Film ließ er die Gewerkschaft gewerkschaftlich agieren, den Diktator nach der Orchesterrevolution wiederauferstehen und die Konflikte im Kollektiv durchaus als auch gesellschaftlich bedingte stehen.

Zudem betonte er das gestörte Verhältnis der Orchestermitglieder zur zeitgenössischen Musik. Ein großartiges Beispiel für gegenwärtiges italienisches Musiktheater: kunstvolle sich verdichtende Klangräume, die kommentieren, ironisch brechen. Das ist leicht fassbar, ohne aber artifizielle Ansprüche aufzugeben. Kleine Unsicherheiten im guten Brucknerorchester unter Jochem Hochstenbach rührten nicht von Aversionen gegen die Musik her.

Andrea Schwalbachs Inszenierung lehnt sich ebenfalls eng an den Film an. Sie betont die Aufdringlichkeit der mitfilmenden Kamera: Das Verhalten vor der Linse kennen wir; zugleich wird sie aber von einigen auch denunziatorisch auf KollegInnen gerichtet. Bis zu jenen Dschungelcamps, in denen angebliche Promis von Spinnen und anderem Getier gequält werden, führte Schwalbach die Handlung allerdings nicht in die Gegenwart. Die Solisten und der Chor des Landestheaters trugen viel zum Erfolg bei. Auch beim Komponisten. (kann/DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2004)

22. 4., 19.30 Uhr
Landestheater Linz
0800/21 80 00
  • Italienisches Musiktheater: Giorgio Battistellis "Orchesterprobe" am Linzer Landestheater.
    foto: landestheater

    Italienisches Musiktheater: Giorgio Battistellis "Orchesterprobe" am Linzer Landestheater.

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