Erstes Insulinspray kommt auf den Markt

27. April 2004, 12:22
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Diabetiker müssen ab 2005 das Hormon nicht mehr spritzen

Brüssel/Wien - Die europäische Arzneimittelbehörde hat den Zulassungsantrag für das erste inhalierbare Insulin angenommen. Ab 2005 können daher viele Diabetiker auf ihre Insulinspritzen verzichten. Rund eine halbe Million Österreicher sind zuckerkrank.

Der neue Insulinspray wurde weltweit in klinischen Studien getestet, auch in Österreich: Es traten kaum Nebenwirkungen auf wie Husten oder Schleimhautentzündungen. Auch zunächst befürchtete Schäden an der Lunge wurden nicht beobachtet.

Anstelle der üblichen Injektionen inhalieren die Patienten dreimal täglich vor den Mahlzeiten das Insulinpräparat. Das portionierte Trockenpulver wird in einem speziellen Inhalator fein zerstäubt, damit es in die hintersten Lungenbläschen vordringen kann. Die Wirkung setze bereits wenige Minuten nach dem Einatmen ein und sei mit einer Insulinspritze vergleichbar, erklärte Heidemarie Abrahamian, Stoffwechselexpertin im Krankenhaus Wien-Lainz, in science.orf.at. Das Medikament reduziere den durch das Essen ausgelösten Anstieg des Blutzuckerspiegels.

"Die Lunge ist eine sehr gute Aufnahmefläche für verschiedene Stoffe, unter anderem auch Insulin. Ihre Fläche entspricht der eines Tennisplatzes" sagte Abrahamian: "Über diese Fläche lässt sich sehr rasch Insulin aufnehmen und gelangt von dort an die Orte, wo es wirken muss." Allerdings sei die zehnfache Dosis des über Spritzen verabreichten Insulins nötig.

Erhältlich sind bereits ultralang wirkende Insulinpräparate, die nur noch einmal pro Tag gespritzt werden müssen. Insulin ist ein Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, das Zucker vom Blut in die Zellen schleust als Treibstoff für die Energiegewinnung. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 4. 2004)

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