Dialyseengpässe, doch Ambulanz steht leer

29. April 2004, 15:33
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Während sich Patienten in Wien und Umgebung um die Blutwäsche anstellen müssen, steht in Mödling ein Privatambulatorium leer

Es hat keinen Kassenvertrag - ein Problem, das im Westen, wo Private auf Kassenkosten mitversorgen, größtenteils unbekannt ist.

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Mödling/Baden/Wien - Mit Unverständnis verfolgt der Nephrologe Helmut Katschnig die aktuellen Diskussionen um Dialyseengpässe im Raum Wien. Stünden ihm doch - wie er nicht müde wird zu betonen - die technischen Mittel zur Verfügung, um der Misere im südlichen Wiener Umland rasch abzuhelfen: Vierzehn Blutwäschegeräte in seiner privaten Mödlinger Dialyseambulanz.

Diese Geräte, so Katschnig, können aber nicht zum Einsatz kommen: Die Ambulanz steht seit ihrer Errichtung im Jahr 2000 ohne Vertrag mit der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK) da. Ein Versuch, dies zu ändern, scheiterte im Jahr 2002. Das Finanzierungspilotprojekt, an dem sich NÖGKK und Land Niederösterreich beteiligen wollten, war für Katschnig unzureichend: Die - hohen - Kosten für unterstützende Medikamente sollten (wie DER STANDARD berichtete) von der öffentlichen Hand nicht mitfinanziert werden.

Das nun kann Katschnig "absolut nicht verstehen": In den westlichen Bundesländern, so betont er, würden zum Teil mehr als die Hälfte aller Dialysen in privaten Ins^tituten durchgeführt und mit der Kasse abgerechnet. Zu Bedingungen, die sich für die Ambulatoriumsbetreiber durchaus rechneten. Während in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland Blutwäschen ausschließlich in öffentlichen Spitälern stattfänden: ein "hinterfragenswürdiger" Umstand.

Diese Ansicht äußerte zuletzt auch der Vorsitzende des Obersten Sanitätsrates, Ernst Wolner, in einem STANDARD-Kommentar, während NÖGKK-Sprecherin Bibiana Göbel die Sache anders sieht: Nach dem Scheitern des Vertrags mit Katschnig habe man am Wiener Südrand voll auf den Ausbau der Dialysestation in Baden gesetzt, die derzeit nur 15, ab kommendem Jahr aber bereits 42 Patienten versorgen könne. Damit sei dann "der Bedarf südlich von Wien gedeckt", von dort würden keine Dialysepatienten mehr nach Wien pendeln müssen.

Mehr Dialysen im Osten

Das sei schon richtig, bestätigt der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie, Josef Kovarik. Doch er weist auch auf den laut Prognosen stark steigenden Bedarf an Dialyseplätzen hin. Pro Jahr sei hier mit einem Plus von sechs Prozent zu rechnen, zusätzlich etwa zu den 632 Wienern, die aktuell und jenen 653 Niederösterreichern, die mit Stand Jänner 2003 regelmäßige Blutwäsche benötigten. Wobei im Osten des Bundesgebiets die Steigerungsraten überhaupt höher seien als im Westen, "weil es im Osten mehr Übergewichtige und deshalb mehr Diabetiker gibt, die früher oder später eine Dialyse benötigen".

Mittelfristig sieht Kovarik vor allem im Norden von Wien Probleme entstehen. Doch im Büro des niederösterreichischen Spitalslandesrats, Wolfgang Sobotka (VP) ist man "zuversichtlich, dass man hier Verhandlungen mit Wien führen kann".

Für mehr Dialyseplätze in Spitälern, die - so NÖGKK- Sprecherin Göbel - seit dem Start der derzeitigen Spitalsfinanzierung im Jahr 1997 von den Kassen ohnehin Pauschalbeträge für Dialysen erhielten. Deshalb stellten neue Privatambulanzen, die "zusätzlich Geld kosten", auch kein echte Alternative dar. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2004)

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    Helmut Katschnig im Behandlungsraum der Dialyse Mödling.

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