Ex-Vorstand kontert auf Rechnungshof-Rohbericht

27. April 2004, 14:17
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Heinzl und Jeneral weisen Vorwürfe zurück und kritisieren RH - U-Ausschuss-Vorsitzende Hagenauer: "Gegendarstellung nicht überzeugend"

Graz - Die entlassenen EStAG-Vorstände Werner Heinzl und Hubert Jeneral haben in einer Stellungnahme zum Rechnungshof-Rohbericht Vorwürfe zurückgewiesen und ihrerseits Kritik an der Kontrollinstanz geübt.

Neben der aktienrechtlichen Sonderprüfung war es ja insbesondere die RH-Untersuchung, die belastendes Material rund um die steirische Strom-Holding EStAG-Affäre zu Tage gefördert bzw. erhärtet hat.

Der Grüne U-Ausschuss-Vorsitzende Peter Hagenauer hingegen bezeichnet die Gegendarstellung als "nicht überzeugend".

Fehlende Strategie

Im Rechnungshof-Rohbericht waren der Unternehmensleitung sinngemäß fehlende strategische Ziele, fragwürdige Beteiligungen und Geldverschwendung vorgeworfen worden.

Es habe sehr wohl "Unternehmenskonzepte und strategische Ziele" gegeben, heißt es nun in dem gemeinsam von den Ex-Vorständen Werner Heinzl und Hubert Jeneral verfassten Papier, das die "Kleine Zeitung" (Montag-Ausgabe) auszugsweise veröffentlicht hat.

Heinzl und Jeneral räumen ein, dass es mit dem Eintritt von Gerhard Hirschmann als Vorstandsdirektor "ab dem Frühjahr 2003 die Umsetzung von strategischen Einzelmaßnahmen allerdings zum Stillstand gekommen".

Zudem wurden laut Zeitung der Stellungnahme zwei Briefe Hirschmanns beigelegt, in denen dieser als Tourismuslandesrat um Sponsoring für Sportvereine ansucht bzw. sich für die Unterstützung einer Kunstaktion bedankt.

"Offensichtlich fehlende Faktenlage"

Die beiden Ex-Vorstände kritisieren aber auch den Rechnungshof. Dieser habe eine "offensichtlich fehlende Faktenlage", es gebe "eine Fülle fachlicher, aber auch rechnerischer Fehler".

Sich selbst attestieren die gefeuerten Vorstände "ordentlichen wirtschaftlichen Erfolg", für Beteiligungen seien "ausschließlich Marktpreise bezahlt" worden, im Gegensatz zur RH-Kritik habe es sehr wohl "die notwendigen Controlling- und Revisionsinstrumente" gegeben.

"Nicht nachvollziehbare Schlussfolgerungen"

Ebenfalls bei übermittelten Unterlagen findet sich eine Stellungnahme von Adolf Fehringer, Vorgänger von Gerhard Hirschmann als EStAG-Vorstandsdirektor. Fehringer kritisiert darin "viele Ungereimtheiten, Fehler und nicht nachvollziehbare Schlussfolgerungen" des RH-Berichts. Hirschmann hatte eine gesonderte Stellungnahme angekündigt.

"Die Gegenargumente sind nicht überzeugend", reagierte am Montag U-Ausschuss-Vorsitzender Peter Hagenauer. Zudem sei es "eigenartig, windschief und bezeichnend", dass zwei Stellungnahmen, nämlich vom abgelösten und von amtierenden Vorstand vorlägen. Die Befundung des Rechnungshofes und der aktienrechtlichen Sonderprüfung sei in den zentralen Bereichen eindeutig.

Der U-Ausschuss setzt seine Arbeit am kommenden Donnerstag (22.4.) mit der Befragung von Alt-Vorstand Adolf Fehringer und den Aufsichtsräten Guido Held und Gerald Raidl fort. (APA)

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