Linz: Misshandlungen im Altenheim

21. April 2004, 09:43
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Senioren mit Würgemalen - Pfleger unter Verdacht

Linz - Ein neuer vermeintlicher Pflegeskandal wurde am Montag in einem Linzer Altenheim bekannt. Seit dem vergangenen Jahr sorgen Missstände im Geriatriezentrum "Am Wienerwald" (früher die Klinik Lainz) in Wien für heftige Diskussionen.

Im städtischen Seniorenheim Glimpfingerstraße in Linz soll nun ein Altenpfleger mehrere Pfleglinge gequält und teilweise schwer verletzt haben. Der Missbrauchsverdacht tauchte bereits Ende Februar des heurigen Jahres erstmals auf: Mehrere teilweise bereits demente Patienten wiesen unerklärliche Verletzungen auf - etwa Würgemale am Hals, blutende Wunden im Gesicht oder Hämatome am Körper, die sie sich eindeutig nicht selber hätten zufügen können.

Das Pflegepersonal und die zuständige Leitung reagierten mit erhöhter Sensibilität. Eindeutige Aussagen von Bewohnern und eine Überprüfung der Dienstpläne brachten den Pfleger schnell in Verdacht. Der Mann kündigte - noch bevor die bereits ausgesprochene Suspendierung wirksam wurde - seinen Dienst auf. Derzeit sind die gerichtlichen Vorerhebungen der Staatsanwaltschaft Linz in vollem Gange.

"Der haut mich"

Während der zuständige Soziallandesrat Josef Ackerl (SP) nach dem Bekanntwerden des Misshandlungsverdachtes "umgehende Kontrollen" ankündigte, zeigte sich am Montag der verantwortliche Direktor der Linzer Seniorenheime, Johann Schalk, tief bestürzt: "Obwohl der Beschuldigte noch nichts gestanden hat, sind die Indizien in diesem Fall erdrückend. Die gewalttätigen Übergriffe sind immer dann passiert, wenn der besagte Pfleger im Dienst war", so Schalk gegenüber dem STANDARD.

Ausschlaggebend für ein "sofortiges Handeln" Ende Februar in Form einer Suspendierung und einer Anzeige bei der Kripo seien aber dann vor allem die Aussagen von Bewohnern gewesen. Etwa die flehentliche Bitte: "Nicht diesen Pfleger, der haut mich wieder."

Man dürfe aber jetzt "auf keinen Fall die gesamte Einrichtung schlecht machen", stellt Schalk klar. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, sei dies "ein besonders tragischer Einzelfall, der keine Rückschlüsse auf Personalprobleme oder Ähnliches zulässt".

Neben den gewalttätigen Übergriffen wird dem Altenpfleger auch der Diebstahl von einigen Medikamenten zur Last gelegt. Suchtmittel seien aber keine dabei gewesen, so Schalk. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2004)

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