Lächelnd aus dem Leben gehen

15. Dezember 2004, 18:12
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Neu im Kino: "Selbstmörderclub" aus Liebe - eine Filmkritik

"An die Liebe, wenn du mich einstmals verlässt, sei dir sicher – ich geh mit dir."

Der Film "Was nützt die Liebe in Gedanken" von Achim von Borries erzählt die wahre Geschichte von Paul (Daniel Brühl) und Günther (August Diehl), zwei unterschiedlichen Freunden, die von Liebeskummer geplagt sind. Daraufhin gründen sie den so genannten "Selbstmörderclub", frei nach dem Motto: "Liebe ist der einzige Grund für den wir sterben werden." Sie wollen ihr Leben genießen und in dem Moment, in dem sie am glücklichsten sind, lächelnd aus dem Leben gehen. Günther und Hilde (Anna-Maria Mühe) feiern im Landhaus ihrer Eltern ein rauschendes Fest, zu dem auch Paul und Hildes beste Freundin Elli (Jana Pallaske) kommen. Elli liebt Paul. Paul liebt Hilde. Hilde liebt Hans. Günther liebt Hans. Hans liebt in erster Linie sich selbst.

Die fünf Jugendlichen, die zwischen ekstatischem Glück und tiefer Verzweiflung schwanken, werden durch ihre Liebe in einen Strudel der Katastrophen gerissen, dem sie sich nicht mehr entziehen können. Besonders August Diehl überzeugt durch simple Darstellungen und berührt die Zuseher mit Gesichtsausdrücken, die tiefste Emotionen und die verwirrt-verzweifelte Persönlichkeit charakterisieren. Durch Gegensätze in der Musik und in Bildern werden die zwiespältigen Gefühle der Hauptpersonen unterstrichen. Die friedliche Musik wechselt unerwartet ins Bedrohliche. Dieses Wechselspiel der Grundstimmung versetzt das Publikum in permanente Anspannung, glückliche Momente wirken nur wie die Ruhe vor dem Sturm. Trotz der durchgehend morbiden und beklemmenden Vorahnung berührt "Was nützt die Liebe in Gedanken" mit poetischer Sprache und geduldig gefilmter Liebe zum Detail. Die Thematik der Tragödie ist zeitlos und zweifelsohne auch in die heutige Welt versetzbar.

Jetzt im Kino!

Von Naemi Handler, Theres Pratter, Teresa Dolezal
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