Tourismus: Chance und Herausforderung

11. Februar 2005, 15:32
1 Posting

Jährlich werden 300.000 zusätzliche Gäste aus Osteuropa erwartet - 40 Prozent der Tourismus-Saisoniers kommen aus Osteuropa

Wien - Die anstehende EU-Erweiterung wird den österreichischen Tourismus kräftig ankurbeln. Aus Osteuropa werden jährlich rund 300.000 Gäste mehr als bisher in Österreich urlauben, schätzen Tourismusexperten. Die EU-Erweiterung wird von der heimischen Tourismuswirtschaft aber nicht nur als Chance gesehen, sie bringt auch neue Herausforderungen, zumal die aufstrebenden EU-Beitrittsländer zunehmend eine Konkurrenz für Österreich darstellen.

Der Anteil von Osteuropa-Gästen in Österreich ist verglichen mit dem gesamten Nächtigungsaufkommen aktuell allerdings noch sehr gering. 800.000 Gäste bzw. 3,16 Mio. Nächtigungen von Gästen aus den EU-Beitrittsländern (ohne Malta, Zypern und die baltischen Staaten) wurden im Vorjahr in Österreich verzeichnet, was einer durchschnittlichen Steigerung von 11,4 Prozent entspricht.

Immer mehr Gäste aus dem Osten

Der Anteil der Nächtigungen von osteuropäischen Gästen an den Gesamtnächtigungen belief sich damit 2003 auf 2,7 Prozent, bei den 86 Mio. Nächtigungen von ausländischen Gästen in Österreich lag der Anteil bei 3,7 Prozent. Dieser Anteil soll laut Experten nun jährlich um 7 bis 10 Prozent steigen.

Der größte Herkunftsmarkt für den österreichischen Tourismus in Osteuropa ist laut Statistik Austria Ungarn mit rund 1 Mio. Nächtigungen im Jahr 2003, gefolgt von Tschechien mit rund 922.000 Nächtigungen und Polen mit rund 830.000 Übernachtungen. Aus Slowenien wurden im Vorjahr knapp 216.000 Nächtigungen verzeichnet, aus der Slowakei knapp 185.000.

Skifahren

Die meisten osteuropäischen Gäste kommen zum Skifahren nach Österreich. Das Gros der Nächtigungen entfällt mit 2,16 Mio. Übernachtungen auf den Wintertourismus, nur knapp 1 Mio. Nächtigungen wurden 2003 im Sommer verzeichnet.

"In den künftigen zehn EU-Mitgliedsländern warten 75 Mio. Einwohner darauf, Urlaub im Ausland zu machen", bemerkt der Chef der Österreich Werbung (ÖW), Arthur Oberascher. Das häufig verwendete Argument, Gäste aus Osteuropa seien Billigtouristen, zähle heute nicht mehr. Die Tagesausgaben der Ungarn lägen etwa deutlich über jenen der Inlandsgäste.

Wirtschafts-Wachstumsraten versprechen viel

Auch die für die EU-Beitrittsländer prognostizierten Wirtschafts-Wachstumsraten würden einiges versprechen, so Oberascher. Die EU-Kommission hat die Wachstumsraten für die 10 Beitrittsländer (mit Ausnahme Maltas) in ihrer Frühjahrsprognose zuletzt auf 4,0 Prozent für 2004 und auf 4,2 Prozent für 2005 geschätzt, damit wachsen die Kandidaten praktisch doppelt so schnell wie die Eurozone. Durch den EU-Beitritt werde sich auch der touristische Einzugsbereich grenznaher Regionen vergrößern, glaubt Oberascher.

Osteuropa spielt für den österreichischen Tourismus auch in Sachen Mitarbeiter eine große Rolle, denn rund 40 Prozent der Tourismus-Saisoniers kommen Expertenangaben zufolge aus Osteuropa, die meisten aus Ungarn und der Slowakei.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Touristen in einem Fiaker vor dem Michaelator in der Wiener Innenstadt

Share if you care.