Neue EU-Länder hinken beim Wohlstand nach

11. Februar 2005, 15:32
1 Posting

BIP-Pro-Kopf nach Kaufkraftstandards in Prag über EU-Schnitt - neun Zehntel der neuen Regionen Ziel-1-Gebiet

Wien - Durch den Beitritt der 10 neuen Staaten werden die Wohlstandsunterschiede innerhalb der EU noch größer und verschieben sich stärker in Richtung Armut. Schon jetzt liegt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf gemessen an der Kaufkraft in der Londoner City bei 263 Prozent, also mehr als dem Doppelten des EU-Durchschnitts, während eine Region in Griechenland nur 53 Prozent des EU-Schnitts erreicht. Mit der Erweiterung kommen nun Regionen dazu, deren Wirtschaftsleistung nicht einmal ein Drittel des EU-Schnitts ausmacht - wie etwa in Teilen Polens.

Gleichzeitig liegen Ballungsräume wie die Region Prag deutlich über dem Durchschnitt der EU-15. In den derzeitigen EU-Ländern liegen rund 20 Prozent der Regionen mit ihrer Wirtschaftskraft unter 75 Prozent des Durchschnitts und gelten damit als Kandidaten für die höchstmöglichen Förderungen.

Viele "Ziel-1-Gebiete"

In den 10 Beitrittsländern sind 37 von insgesamt 41 Regionen solche "Ziel-1-Gebiete", geht aus den jüngsten Berechnungen des Eurostat auf Basis der regionalen BIP-Daten von 2001 hervor. Die vier Regionen, die nicht die höchste Förderungswürdigkeit genießen, sind neben Prag, wo schon jetzt 135 Prozent des EU-Schnitts erzielt werden, Preßburg (102 Prozent), Budapest (81 Prozent) und Zypern (78 Prozent). Nur weitere acht Regionen kommen auf Werte zwischen 50 und 75 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-BIP in Kaufkraftstandards - ähnlich wie die derzeit ärmsten Regionen in der EU in Griechenland, Portugal und Spanien.

Für Einzelhändler, aber auch Produzenten, die in den Beitrittsländern aktiv sind, sind vor allem die deutlichen Unterschiede zwischen den städtischen Ballungsräumen, in die ein Großteil der Investitionen und des Tourismus fließt, und den armen ländlichen Gebieten von Bedeutung. "Mit unseren Preisen können wir Joghurt nur in den Hauptstädten verkaufen, am Land könnte sich das niemand leisten", warnt NÖM-Vorstand Alfred Berger vor zu großen Export-Erwartungen.

Unterschiedliche Ausgabenstruktur

Dementsprechend sieht auch die Handelslandschaft aus: Internationale, aber auch österreichische Handelsketten investieren vor allem in und um die großen Städte. Und sie machen meist gute Geschäfte, obwohl H&M- oder C&A-Mode für Tschechen oder Polen eigentlich noch Luxus ist. Gemessen am österreichischen Wohlstandsniveau liegt die Kaufkraft in Slowenien bei etwa 55 Prozent, in Tschechien etwa 41 Prozent und in Ungarn bei 26,9 Prozent, hat Regioplan Consulting errechnet.

Unterschiedlich ist auch die Ausgabenstruktur: Während in Österreich nur rund 18 Prozent der Ausgaben auf Ernährung entfallen, sind es in den Beitrittsländern zwischen 29,5 und 37,1 Prozent. Bei den Ausgaben fürs Wohnen verhält es sich genau umgekehrt.(APA)

  • Ein polnischer Bauer bestellt sein Feld mit einem Pferd.
    foto: rreuters/ kopczynski

    Ein polnischer Bauer bestellt sein Feld mit einem Pferd.

Share if you care.