Banken warnen vor Verteuerung der Überziehungskredite

27. April 2004, 13:44
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Die heimischen Institute befürchten, dass die neue EU-Ver­braucher­richtlinie den Aufwand und damit die Kosten für Kontoüberziehungen in die Höhe treibt

Wien - Österreichs Banken pochen darauf, die in Österreich besonders beliebten Überziehungskredite aus dem Anwendungsbereich der neuen EU-Verbraucherrichtlinie herauszunehmen.

Vor der neuerlichen Abstimmung über die Richtlinie, die am Dienstag im EU-Parlament stattfindet, appelliert die Bundeskreditsparte der Wirtschaftskammer an die Europaabgeordneten, sich bei der Abstimmung "an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kreditkunden zu orientieren", und den Vorschlag zur Herausnahme der Überziehungskredite aus dem Anwendungsbereich zu unterstützen.

"Nur ein weiterer Schritt"

Die Abstimmung über die Verbraucherrichtlinie sei nur ein weiterer Schritt im Gesetzgebungsprozess, so Sabine Radl vom Brüsseler EU-Büro der Wirtschaftskammer. Der Abänderungsvorschlag des Rechts- und Binnenmarktausschusses müsse noch durch das gesamte EU-Parlament, komme dann zur EU-Kommission zurück und in weiterer Folge würden auch noch der EU-Rat darüber befinden.

Es sei also noch nicht sicher, ob die Kontoüberziehung aus der Richtlinie tatsächlich herausgenommen werde. Ziel der neuen Verbraucherrichtlinie ist es, die bestehenden Vergabekriterien für die Aufnahme von Krediten durch Privatpersonen zu reformieren.

Bonitätsprüfungen und Tilgungspläne

Im Falle der Überziehungskredite würde der angestrebte zusätzliche Verbraucherschutz in keinem Verhältnis zu den mit dem Richtlinienvorschlag verbundenen Anforderungen und Kosten stehen, so der Geschäftsführer der Bundessparte, Herbert Pichler, am Montag in der Presseaussendung.

Nach dem ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission wären bei jeder Kontoüberziehung Bonitätsprüfungen und Tilgungspläne notwendig. Die hätte allein die heimische Kreditwirtschaft rund 313 Millionen Euro im Jahr gekostet. Im Abänderungsvorschlag ist dieser Vorschlag nun nicht mehr enthalten.

Übertriebene Bürokratie"

"Der Schutz der Konsumenten und die notwendige Beratung und Information müssen dort eine Grenze haben, wo die Bestimmungen zu übertriebener Bürokratie führen", so Pichler. Das sei vor allem auch im Interesse der Konsumenten, die letztlich Mehrkosten zu tragen hätten.

In dem zur Abstimmung vorliegenden Entwurf werden eine Reihe von wesentlichen Änderungen vorgeschlagen. So soll es zum Beispiel, wie bereits in der aktuell gültigen Richtlinie, Mindest- und Höchstgrenzen für die Anwendbarkeit der Richtlinie geben, wobei die Grenzen von derzeit 200 bis 20.000 Euro auf 1.000 bis 50.000 Euro erhöht werden sollen.

Einen wesentlichen Fortschritt stelle es auch dar, dass der Kreditnehmer in einer Neuformulierung der "Verantwortungsvollen Kreditvergabe" nach umfassender und gegenseitiger Information die Möglichkeit hat, Art und Höhe des Kredits selbst mitzubestimmen.

"Es muss bewusst werden, dass die im ursprünglichen Kommissionsvorschlag vorgesehene Verlagerung der Kreditentscheidung allein auf den Kreditgeber nicht im Sinne des Konsumenten sein kann", so Pichler. (APA)

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