Pressestimmen: "Flucht aus dem Irak"

20. April 2004, 10:41
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"El Mundo": Rascher Abzug richtige Entscheidung

Madrid - Zum Abzug der spanischen Truppen aus dem Irak schreibt die unabhängige Madrider Zeitung El Mundo am Montag:

"Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero begründete seinen Befehl zum Rückzug aus dem Irak damit, dass die UN aller Voraussicht nach nicht die geforderte Resolution verabschieden werden. Seine Begründung ist stichhaltig. Das Weiße Haus weigert sich kategorisch, das Kommando über die US-Truppen abzugeben. Die Entscheidung des spanischen Regierungschefs scheint uns nicht nur richtig, sondern auch notwendig gewesen zu sein. Die Sicherheitslage in der schiitischen Zone des Irak verschlechtert sich ständig. Die spanischen Soldaten sind bei der Bevölkerung immer unbeliebter".

La Repubblica

"Vor einem Jahr schloss sich (Jose Maria) Aznars Spanien der Bush-Administration an, unterstützte begeistert die Invasion im Irak und sabotierte so die letzten Versuche, eine gemeinsame Position der EU-Staaten zu erreichen. Mit einer entgegengesetzten Entscheidung kündigt nun Zapateros Spanien die Flucht aus dem Irak an, und versetzt damit den Hoffnungen auf eine Neuformulierung des ´Kriegs gegen den Terrorismus´ durch Europa und die USA einen Schlag. Madrids plötzliche Ankündigung bringt uns zurück zu einem Europa, das nicht im Gleichschritt vorankommt, zu einem geteilten Westen, zu einem Amerika, das im kritischsten Moment gefährlich alleine da steht".

Les Echos

"In der Europapolitik genießt Jose Luis Zapatero nach den Spannungen der vergangenen Jahre einen Vertrauensvorschuss. Er gilt als überzeugter Europäer und steht Paris und Berlin näher als Washington. Zweifellos wird er sich für einen Kompromiss über die Europa-Verfassung einsetzen. Man sollte sich jedoch nicht täuschen lassen. Hinter seiner höflichen Front versteckt der Regierungschef einen spanischen Stolz, der ihm jeden einfachen Kompromiss verbietet und ihn drängen wird, sein Land in den kleinen Kreis der "Großen" der erweiterten Europäischen Union aufnehmen zu lassen". (APA/dpa)

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