Bin Ladens Spur nach Oklahoma-City

20. April 2004, 16:05
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Der Anschlag von 1995 sei die "Ouvertüre" zu 9/11 gewesen

Washington/Wien - Eine "silberne Kugel", mit der die Terroranschläge vom 11. September 2001 im Vorfeld hätten verhindert werden können, habe es nicht gegeben, hatte Condoleezza Rice, die Sicherheitsberaterin des amerikanischen Präsidenten, vor der 9/11-Kommission erklärt. Jayna Davis, eine hartnäckige Reporterin aus Oklahoma, glaubt allerdings diese Kugel gefunden zu haben: Timothy McVeigh und Terry Nichols, die Attentäter von Oklahoma-City, die 1995 das Gebäude der Bundesverwaltung in die Luft sprengten und dabei 168 Menschen töteten, hätten Hilfe von einem Al-Kaida-Mitglied erhalten, schreibt Davis in ihrem nun erschienen Buch "The third terrorist". Oklahoma wäre gewissermaßen die "Ouvertüre" zu 9/11 gewesen.

Nun beschäftigt die Al-Kaida-Oklahoma-Connection die "Neokonservativen" in Washington und die Anhänger von Verschwörungstheorien seit Jahren. Denn der "dritte Terrorist" neben dem im Juni 2001 hingerichteten McVeigh und dem zu lebenslanger Haft verurteilten Nichols soll ein Iraker gewesen sein, noch dazu ein ehemaliges Mitglied von Saddam Husseins Republikanischer Garde: Hussein Hashem Al-Husseini wollen viele Augenzeugen als McVeighs Komplizen am Tag des Attentats gesehen haben. Das FBI erstellte ein Phantombild und ließ die Spur dann schnell wieder fallen.

Merkwürdige Zufälle

Doch merkwürdige Zufälle sind nunmehr zutage getreten, mit denen die Reporterin Davis ihre These von einer Unterstützung der beiden rechtsextremen Waffennarren McVeigh und Nichols durch Al-Kaida untermauert. Nichols zum Beispiel befand sich im November 1994 just zur selben Zeit am selben Ort mit Ramzi Ahmed Jussuf, dem Drahtzieher des ersten Anschlags auf das World Trade Center in New York 1993. Beide Männer wurden auf dem Gelände einer Universität der philippinischen Stadt Cebu gesichtet. Beide buchten denselben Rückflug nach Los Angeles.

"Was wir definitiv wissen, ist, dass Nichols' Bomben nicht funktionierten, bevor er auf die Philippinen flog, und dass sie tödlich waren, nachdem er zurückkehrte", schreibt Richard Clarke, der frühere Antiterrorberater im Weißen Haus, der Bush mit seinem Buch "Against all enemies" in Bedrängnis brachte. (DER STANDARD, Printausgabe 19.4.2004)

Von Markus Bernath
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