Werder Bremen verpasste Matchball

23. April 2004, 14:31
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Nur 0:0 gegen Hannover - Bei Bayern München liegen die Nerven blank - 1860-München-Coach Götz gefeuert, Gerald Vanenburg übernimmt

Bremen/Hamburg/München - Der SV Werder Bremen hat den "Big Point" im Bundesliga-Titelrennen vergeben und die Gunst der Stunde nach dem Patzer von Verfolger Bayern München nicht genutzt. Einen Tag nach dem 0:2 des Titelverteidigers in Dortmund kam der Spitzenreiter gegen Hannover 96 über ein 0:0 nicht hinaus und baute deshalb den Vorsprung bei fünf ausstehenden Spielen "nur" auf acht Punkte aus.

Bremen fehlt der "richtige Zug zum Tor"

In einer über weite Strecken niveauarmen Partie agierte Werder vor 43.500 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion nie im Stile einer Spitzenmannschaft. Erst in der Schlussphase, als Trainer Thomas Schaaf seine wirkungslosen Stürmerstars Ailton und Ivan Klasnic vom Feld holte, drängten die Gastgeber auf den Sieg. Kapitän Frank Baumann: "Im Moment haben wir nicht den richtigen Zug zum Tor." Bester Hannoveraner war der früher auch in Österreich engagiert gewesene Keeper Marc Ziegler, der die besten Werder-Chancen zunichte machte.

Bochum träumt vom UEFA-Cup

Schlusslicht 1. FC Köln ist nach der 1:2-Heimschlappe gegen den VfL Bochum kaum noch zu retten. Bochum verdrängte durch den Sieg Borussia Dortmund von Platz fünf und kann weiterhin vom UEFA-Cup träumen.

Bayern frustbeladen

Nach dem 0:2 am Samstag in Dortmund muss Bayern München in die Titelhoffnungen wohl endgültig abschreiben und nun sogar um den zweiten Tabellenplatz zittern. Damit droht dem teuersten Bayern-Kader aller Zeiten eine Saison ohne Trophäe und ein unruhiges Saisonfinale. Den Frust bekam vor allem Schiedsrichter Markus Merk zu spüren, der mit einer umstrittenen Elfmeterentscheidung die Niederlage eingeleitet hatte. "Die Schiris sind gefordert, den Arsch in der Hose zu haben. Wenn man den Elfer vor einer Woche für Bremen in Frankfurt und den von heute sieht, kommt man schon ins Grübeln", klagte Bayern-Spielmacher Michael Ballack.

Aus Verärgerung über den ausgebliebenen Pfiff beim Strafraum-Handspiel von Wörns (16. Minute) und die Elfer-Entscheidung stürmte Bayern-Manager Uli Hoeneß in die Kabine des Unparteiischen und verweigerte danach jeden Kommentar. Die Gelb-Rote Karte für Ballack (69.) machte das Unglück der Gäste perfekt. Ottmar Hitzfeld suchte die Schuld nicht allein bei Merk: "Wir haben Nerven gezeigt und uns von der Hektik anstecken lassen", klagte der Bayern-Coach.

"Ich glaube, dass es jetzt bei den Bayern unruhig wird", stichelte Stuttgarts Teammanager Felix Magath, dessen Truppe den Bayern mit dem 3:1 gegen Frankfurt bis auf zwei Punkte nahe rückte und nun mit der direkten Champions-League-Qualifikation liebäugelt.

Heftiger Wirbel bei 1860 München

Für den Aufreger der 29. Runde sorgte jedoch der TSV 1860 München. Nach der peinlichen Entlassung von Trainer Falko Götz im Anschluss an die 1:2-Heimniederlage gegen Hamburg droht den "Löwen" nicht nur der sportliche Absturz, sondern auch ein massiver Imageschaden. Wenige Wochen nach dem Bestechungsskandal steht der Klub von Cerny, Stranzl, Weissenberger und Pürk vor der nächsten Zerreißprobe.

Vizepräsident Hans Zehetmair erklärte am Sonntag nach seiner eigenmächtigen und mit Präsident Karl Auer nicht koordinierten Trainerentlassung seinen Rücktritt. Am Montag wurde Gerald Vanenburg als neuer Cheftrainer präsentiert.

Vanenburg, der 1988 mit den "Oranjes" in Deutschland Europameister wurde, absolvierte zwischen Juli 1998 und Dezember 1999 insgesamt 43 Spiele für die Münchner und erzielte dabei zwei Tore. Im Herbst 2001 war Vanenburg bei den "Sechzigern" kurzzeitig auch Co-Trainer des nunmehrigen Kärnten-Trainers Peter Pacult gewesen.

Erleichterung bei Jara-Klub Kaiserslautern, Rot für Plassnegger

Durchatmen durfte hingegen Trainer Kurt Jara nach dem hart erkämpften 3:2-Heimsieg seines 1. FC Kaiserslautern gegen Hansa Rostock. "Das war ein Sieg der Moral und ein ganz wichtiger Erfolg, der uns am Leben hält," meinte der Tiroler, der eine solche Leidenschaft auch am kommenden Wochenende in Berlin gegen Hertha BSC fordert. Ab der 21. Minute spielte Rostock allerdings nur mit zehn Mann, nachdem der Österreicher Gernot Plassnegger nach einem rüden Foul die Rote Karte erhalten hatte.

Irregulärer, spektakulärer Treffer auf Schalke

Den originellsten Treffer erzielte der Schalker Mike Hanke beim 2:3 gegen Bayer Leverkusen. Als Bayer-Keeper Jörg Butt sich nach seinem Elfmetertor (76.) zum 3:1 auf dem Rückweg ins Tor von seinen Kollegen gratulieren ließ, zirkelte Hanke den Ball direkt vom Anstoß aus fast 50 Metern über den verblüfften Butt ("Bei einem Sieg kann man darüber schmunzeln") ins Tor. Dieser Treffer war zwar spektakulär, aber - wie das TV bewies - nicht regulär, weil sich Hanke beim Anstoß den Ball selbst vorgelegt hatte. Sein daneben stehender Angriffspartner Ebbe Sand hatte den Ball gar nicht berührt. (APA/dpa/red)

Deutschland - 29. Runde:

Samstag:

  • Mönchengladbach - Hertha BSC 1:1 (0:1)
  • 1860 München - Hamburger SV 1:2 (0:0)
  • Borussia Dortmund - Bayern München 2:0 (0:0)
  • Kaiserslautern - Hansa Rostock 3:2 (2:1)
  • Wolfsburg - SC Freiburg 4:0 (2:0)
  • Stuttgart - Eintracht Frankfurt 3:1 (1:0)
  • Schalke 04 - Bayer Leverkusen 2:3 (0:1)

    Sonntag:

  • 1. FC Köln - VfL Bochum 1:2 (0:1)
  • Werder Bremen - Hannover 96 0:0
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      Nullnummer für den Spitzenreiter am Sonntag in Bremen: Mohamadou Idrissou (Hannover/re) hatte es mit Werder Bremens Krisztian Lisztes zu tun.

    • Verwunderte Bayern-Spieler: Bastian Schweinsteiger (li) und Oliver Kahn konnten nicht fassen, dass Schiedsrichter Merk auf Elfmeter für Dortmund entschied.
      epa/roland weihrauch

      Verwunderte Bayern-Spieler: Bastian Schweinsteiger (li) und Oliver Kahn konnten nicht fassen, dass Schiedsrichter Merk auf Elfmeter für Dortmund entschied.

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      Götz wurde von Journalisten über seinen Rauswurf bei 1860 informiert. Mit Berufung auf Präsident Auer dementierte er auf der Presse- konferenz seine Demission. "Ich glaube nicht, dass Zehetmair (Vizepräsident) die Befugnis dazu hat", sagte der Trainer. Wenig später bestätigte Auer allerdings die Entlassung: "Es ist tatsächlich so. Wir haben uns vom Trainer getrennt."

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      Gerald Vanenburg versucht jetzt sein Glück im Löwen-Stadl.

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