Seit Sonntag Kennzeichnungspflicht für Gentechnik-Lebensmittel

27. April 2004, 17:31
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Die EU-Richtlinie gilt nun auch in Österreich - Neu ist die Ausweitung der Kennzeichnung auf Verarbeitungsprodukten

Seit Sonntag gilt die Richtlinie der EU auch in Österreich, wonach Lebens- und Futtermittel, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten, gekennzeichnet werden müssen. Neu ist dabei vor allem die Ausweitung der Kennzeichnung auf Verarbeitungsprodukten.

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Das wesentliche Neue an der ab sofort geltenden Richtlinie ist, dass nicht nur Endprodukte, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten, gekennzeichnet werden. Es muss nun vielmehr auch ein Hinweis an den Waren angebracht werden, wenn Vorprodukte gentechnisch behandelt wurden. Dabei ist es unerheblich, ob im Endprodukt die Organismen noch nachweisbar sind oder nicht. Die Richtlinie sieht also vor, dass beispielsweise Maiskeimöl und Glukosesirup aus gentechnisch verändertem Mais oder Lecithin aus Gentech-Soja nunmehr gekennzeichnet werden müssen, etwa mit den Worten "hergestellt aus gentechnisch verändertem Mais".

Wichtig ist dabei auch, dass nicht nur verpackte Waren zu kennzeichnen sind. Auch Gentechnikprodukte, die auf einem Markt angeboten werden oder in einem Restaurant, müssen mit einem Schild beziehungsweise mit einem Hinweis auf der Speisekarte kenntlich gemacht werden.

Klare Ablehnung

Auch Futtermittel, deren Basisprodukt gentechnisch bearbeitet wurde, müssen gekennzeichnet werden. Fleisch oder Eier von Tieren, die dieses Futter gefressen haben, sind aber nicht extra zu bezeichnen. Das hat bereits Kritik von Umweltschützern hervorgerufen.

Laut einer aktuellen Isma-Umfrage lehnen die meisten Menschen gentechnisch verändertes Tierfutter in der Lebensmittelproduktion klar ab, 90 Prozent wären laut der Umweltorganisation Greenpeace sogar bereit, für Lebensmittel aus gentechnikfreier Fütterung mehr zu bezahlen. Laut Angaben von Greenpeace habe sich praktisch der gesamte heimische Handel zur Umsetzung der Richtlinie bekannt.

Erster Schritt für Wahlfreiheit

"Damit ist ein erster wichtiger Schritt für die Wahlfreiheit der Konsumenten endlich umgesetzt, auch wenn der Schwellenwert für die Kennzeichnung für Lebens- und Futtermittel, die gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten, mit 0,9 Prozent nach wie vor zu hoch ist", schrieb der Landwirtschaftssprecher der Grünen im Parlament, Wolfgang Pirklhuber, dazu am Sonntag in einer Aussendung. Er verwies darauf, dass das Europäische Parlament ursprünglich einen Schwellenwert von 0,5 Prozent vorgeschlagen habe. (red/DER STANDARD; Printausgabe, 19.4.2004)

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