Wo geht's hier zu einer Lebensgrundlage?

23. April 2004, 10:54
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Der Titelkampf ist irgendwann entschieden, das ewige Problem der heimischen Fußball-Bundesliga aber ist das untere Ende, das unter unwürdigen Bedingungen vegetiert

Südstadt - Wäre die Admira mit physikalischen Mitteln beschreibbar, stellte sie ein schwarzes Loch dar. Ein schwarzes Loch vernichtet Energie, die Admira funktioniert genauso. Die Mannschaft erkämpfte sich gegen den FC Kärnten ein 1:1, nicht ohne einige fußballähnliche Szenen hervorzubringen.

Der Klub, die Zuschauer, das Stadion aber zwingen den Beobachter zur Frage, was der Beginn und das Ende des heimischen Fußballs sein sollte. Admiras Präsident Hans-Werner Weiss treibt dieser Tage, da das Lizenzierungsverfahren läuft, das verständliche Begehren, die Kosten für die Fußballer zu senken, etliche Verträge mit Routiniers nicht mehr zu verlängern und stattdessen mit jungen Fußballern aus dem eigenen Nachwuchs in der kommenden Saison Neunter zu werden. Trainer Rashid Rachimow ist grundsätzlich dagegen, dass ein Präsident ihm die personelle Planung aus der Hand nimmt, und will Vierter werden.

Dieses Ziel ist mit einigen gezielten Verstärkungen (ein guter Stürmer, ein guter Verteidiger, ein guter Tormann) gar nicht so unrealistisch, die Gegenwehr von Bregenz, Pasching, eventuell Salzburg und Sturm wäre kalkulierbar.

Es wird aller Wahrscheinlichkeit nicht dazu kommen. Das Spiel am Samstag in der Südstadt vor ein paar Hundert Zusehern lieferte den Beweis. Die Existenzgrundlage der Admira ist (im Unterschied beispielsweise zum Provinzverein Mattersburg) zu schmal, um Platz für irgendwelche Ambitionen zu lassen. Und was für die Admira gilt, gilt prinzipiell für die gesamte Liga, nur verschließen die Verantwortlichen der Vereine die Augen davor. Ein kennzeichnendes Beispiel ist Hannes Kartnig von Sturm Graz, der laut der Grazer Zeitschrift Der Grazer die Steuerschuld von 3,7 Millionen Euro angeblich bereits mithilfe des Finanzministeriums gebügelt hat. Noch hält sich Kartnig bedeckt, kündigt eine Pressekonferenz für diese Woche an, aber die Lebensprobleme wird er so nicht los.

Die Austria ist dank Frank Stronachs Kapital die einzige Ausnahme von der Malaise, solange der Milliardär zahlt und auch anderen Klubs hilft, klammern sich die chronisch konkursgefährdeten Funktionäre an seine Mildtätigkeit. Die armen und aus sportliche Gründen zu Recht auf dem letzten Tabellenplatz liegenden Kärntner versteuern laut Kurier in Zypern, aber noch so große fiskalische Fantasie wird sie nicht sanieren, sie stellen eine fußballerische Parallelaktion zum Bundesland dar, das unter der Führung von Landeshauptmann Jörg Haider nach Meinung von Wirtschaftsfachleuten angeblich ebenfalls auf den letzten Platz abgerutscht ist, auch wenn die Wahrheit der Politik ungleich unwahrer ist als die Wahrheit im Fußball.

Die Admira kann dank des Unentschiedens vom Samstag die kommende Saison planen, egal, in welche Richtung. Die Kärntner noch nicht. Trainer Peter Pacult: "Es wird jetzt immer schwerer." Parallel dazu läuft die Begutachtung der von den Klubs eingereichten Lizenzunterlagen. Auch das ist eine Mischung aus Prognosen und Wunschdenken, nur die Zuschauer sind noch weniger als in der Südstadt. (DER STANDARD, Printausgabe, 19. April 2004, Johann Skocek)

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