Billigflieger auch in den USA im Aufwind

25. April 2004, 18:21
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Laut einer Analyse dürfte den amerikanischen Airlines endlich wieder Wachstum bevorstehen - Aber: Es profitieren vor allem die Billigflieg

New York/Frankfurt - Die amerikanischen Fluggesellschaften können nach Einschätzung der Zivilluftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) 2004 wieder mit einem deutlichen Wachstum rechnen. Der jährlichen FAA-Prognose zufolge wird der US-Luftverkehr voraussichtlich um 4,8 Prozent zunehmen. Bewahrheitet sich die Analyse, so würde die Branche zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 wieder wachsen.

Die FAA-Prognose ist für die traditionellen Fluglinien allerdings alles andere als eine Entwarnung. Denn der Großteil des Wachstums geht auf das Konto der Billigfluglinien, allen voran Southwest Airlines, JetBlue Airways und AirTran. Hingegen warnte US-Airways-Chef David Siegel, das Überleben seines Unternehmens sei ernsthaft gefährdet, wenn es die Kosten nicht ein weiteres mal massiv senke. United Airlines hat das Verlassen des Gläubigerschutzes nach Chapter 11 ins zweite Halbjahr verschoben und Air Canada wird beantragen, die Frist für den Gläubigerschutz um einen Monat zu verlängern.

Unsichere Prognosen

Zudem ist die FAA-Prognose optimistischer als andere Berechnungen. Der auf Fluglinien spezialisierte Berater Mike Boyd geht nur von einem Wachstum von 2,5 Prozent aus. Und selbst David Neeleman, Gründer und Chef von JetBlue Airways, warnt: "Es hängt alles von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Und wenn die Preise niedrig bleiben, werden die Leute reisen."

Wie schlecht es weiterhin um die meisten klassisch ausgerichteten Fluglinien steht, machte US-Airways-Chef Siegel deutlich. Im Intranet warnte er vor dem Markteintritt von Southwest Airlines an US Airways' wichtigstem Drehkreuz Philadelphia. "Soutwest kommt im Mai, und zwar aus einem Grund: Um uns auszuschalten. Sie haben uns an der Westküste geschlagen, sie haben uns in Baltimore geschlagen. Wenn sie uns auch hier schlagen, werden sie uns umbringen." Siegel forderte, die Stückkosten bei US Airways müssten von derzeit zehn auf sechs Cent sinken, um gegen Southwest eine Chance zu haben. Siegel hat allerdings Konzessionen der Gewerkschaften erhalten, um die Gesellschaft aus dem Gläubigerschutz zu lösen.

Keine Ausreden

"Southwest gab es schon früher", sagt Joe Tiberi, Chef der Mechanikergewerkschaft IAM. "Das Management sollte einen Plan aufstellen, der uns gegenüber Billigfluglinien wettbewerbsfähig macht. Sie haben versagt, und nun sollen unsere Mitglieder dafür zahlen". US Airways ist Mitglied der Star Alliance und Allianzpartner von Lufthansa und Austrian.

United hat im Februar einen Verlust von 259 Millionen Dollar gemacht, 119 davon sind Restrukturierungskosten. Ein Jahr zuvor hatte das Minus noch bei 367 Mio. gelegen. Der Umsatz stieg von 1,11 auf 1,28 Mrd. Finanzchef Jack Brace macht vor allem gesunkene Kosten für Pensionen und Flugzeugfinanzierung sowie geänderte Arbeitsregeln, die eine höhere Produktivität ermöglichten, für den Fortschritt verantwortlich.

Bei Air Canada - ebenfalls bei Star Alliance - hat sich die Lage weiter zugespitzt, nachdem Investor Viktor Li mit einem Ausstieg drohte, falls die Gewerkschaften nicht zu Zugeständnissen bereit seien. (Jens Flottau, Der Standard, Printausgabe, 19.04.2004)

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    US Airways, noch unter Gläubigerschutz, steht unter Druck von den Billigkonkurrenten Southwest. Nun geht es ums Eingemachte im wichtigen hafen Philadelphia.

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