Mayr-Melnhof packt Zentralasien ein

27. April 2004, 14:23
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Wer sich erst jetzt in den neuen EU-Beitrittsländern anstellt, kommt schon zu spät, zeigt sich Konzernchef Wilhelm Hörmanseder überzeugt

Wien - Die Expansionspläne der Mayr-Melnhof Karton AG sind nicht von Pappe. Wie Wilhelm Hörmanseder, Chef des weltgrößten Kartonherstellers bzw. führenden Faltschachtelproduzenten Europas, im STANDARD-Gespräch bestätigt, steht noch heuer ein Zukauf im Bereich Kartonverarbeitung in Russland ganz oben auf der Akquisitionsliste. Kaufen sei zurzeit "vernünftig". Voraussetzung sei, dass das Projekt im Verhältnis zum Kerngeschäft der MM Karton AG größenmäßig stimmt (Hörmanseder: "Bin kein Anhänger von Merger-Mania"), auch beim Standort und beim Preis ("der fünf- bis sechsfache Jahres-Cashflow").

In den nächsten fünf Jahren soll außerdem die Präsenz von MM-Verpackungen in den zentralasiatischen Republiken Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan ausgebaut werden, um den Absatz gleichzeitig mit den sich dort öffnenden Märkten wachsen zu sehen.

"Früh einsteigen und mitwachsen"

"Früh einsteigen und dann mitwachsen", lautet die Strategie, mit der sich Mayr-Melnhof auch in den heutigen EU-Beitrittsländern Osteuropas bestens aufgestellt hat. "In den letzten sechs Jahren haben wir dort jedes Jahr ein 20-prozentiges Plus geschrieben", freut sich Hörmanseder. Nachsatz: "Wer erst jetzt kommt, ist eigentlich schon viel zu spät dran."

Mit derzeit 200 Mio. Euro an liquiden Mitteln und fixen Bankkreditzusagen im gleichen Ausmaß kann sich der Chef des Branchenprimus jedenfalls ganz entspannt nach weiteren Standorten umsehen. China (wo ein Vertrieb besteht) und der Kauf einer Kartonfabrik kommen dafür freilich erst mittelfristig infrage. Derzeit seien Investitionen in China noch zu riskant - von hohen Gewinnen sei nichts zu hören, lautet die Einschätzung. Und auch Westeuropa ist nicht mehr erste Wahl, weil die MM-Gruppe dort zwar zufrieden ist, Hörmanseder aber "kein neues Potenzial sieht". Dazu sei "der angekündigte und viel gepriesene Wirtschaftsaufschwung zu flach". Aber: "Wer nur auf den Aufschwung wartet, wird ihn versäumen", meint Hörmanseder.

Warmer Regen

Das Schicksal von MMK ist jedenfalls weit davon entfernt, vom Aufschwung direkt abhängig zu sein. Der wäre lediglich ein weiterer warmer Regen auf das - trotz Nachfrageschwäche am Markt - zu erwartende Rekordergebnis für 2003. Vorläufigen Zahlen zufolge ist das Betriebsergebnis (Ebit) auf 136 Mio. Euro gestiegen, und der Konzernumsatz hat sich um 4,3 Prozent auf 1,32 Mrd. Euro erhöht. Seit Hörmanseder im Mai 2002 den Chefsessel eingenommen hat, hat sich der Aktienkurs des Kartonmultis - der 1,6 Mio. Tonnen Karton pro Jahr bewegt und faktisch für alle Markenartikler Verpackungen produziert - verdoppelt. Zehn Jahre nach dem Börsegang im Jahr 1994 durchbrach die MM-Aktie die 100-Euro-Schallmauer. Die Dividende für 2003 wird wieder angehoben werden. Im Jahr davor hat man zwei Euro pro Aktie (2001: 1,80 Euro) ausgeschüttet. (Monika Bachhofer, Der Standard, Printausgabe, 19.04.2004)

  • Mit einem neuen Rekordergebnis für 2003 kann Mayr-Melnhof seine Einkaufspläne in Russland leicht umsetzen.
    foto: mayr-melnhof

    Mit einem neuen Rekordergebnis für 2003 kann Mayr-Melnhof seine Einkaufspläne in Russland leicht umsetzen.

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