Bush plante Irakkrieg parallel zu Afghanistan

19. April 2004, 19:18
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Einsame Entscheidung im November 2003

Im November 2001, nur zwei Monate nach den Terrorattacken von Al-Kaida auf New York und Washington und noch während der Kampfhandlungen in Afghanistan, gab Präsident George W. Bush anscheinend einen geheimen Kriegsplan gegen den Irak in Auftrag - so geheim, dass er weder seine Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice noch den Direktor der CIA, George Tenet, davon informierte.

Die neuerlichen Bestätigungen, dass der Irak von Anbeginn die Außenpolitik von George W. dominiert hatte, entstammen dem neuen Buch des Watergate-Enthüllers Bob Woodward, "Plan of Attack", einer Chronik über die sechzehn Monate vor Beginn des Krieges. Bush gab Woodward insgesamt dreieinhalb Stunden Interviews und erklärte dabei unter anderem: "Ich wusste, was geschehen würde, wenn die Leute gedacht hätten, wir würden an einem Plan für einen möglichen Krieg gegen den Irak arbeiten. Es hätte so ausgesehen, als wäre ich bestrebt gewesen, einen Krieg zu führen. Ich strebe aber nicht danach, einen Krieg zu führen."

Laut Woodward habe Oberkommandant General Tommy Franks einen Wutanfall bekommen, als er vom Pentagon den Auftrag erhielt, noch während des Afghanistanfeldzugs einen Kriegsplan für den Irak zu entwickeln.

Das von der Washington Post teilweise schon im Vorabdruck gebrachte Buch zeigt auch die enormen Differenzen innerhalb der Regierung Bush auf: So soll der Zwist zwischen Außenminister Colin Powell, im Prinzip ein Gegner der Invasion des Irak, und Vizepräsident Dick Cheney so weit gediehen sein, dass die beiden kaum mehr ein Wort miteinander wechseln. Powell habe sich erst für den Krieg ausgesprochen, als er von Bush ausdrücklich darum gebeten wurde. (DER STANDARD, Printausgabe 19.4.2004)

Von Susi Schneider aus New York
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