Keren Ann: "Not going anywhere"

    4. Oktober 2005, 12:51
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    Ein geglückter Wechsel vom Französischen zum Englischen

    Zunächst sollte man kurz seine Gefühlslage überprüfen, ehe man sich eine CD anhört, die mit I'm not going anywhere anfängt und mit der Zeile Follow me endet ...

    I am pond full of regrets

    Düsternis mit Seventies-Touch auf dem Cover - das erinnert nicht von ungefähr an Benjamin Biolays Vorjahres-CD "Négatif". Die beiden derzeit vielleicht erfolgreichsten VertreterInnen von Frankreichs "Neuem Chanson" arbeiteten nicht nur lange Zeit zusammen (für "Not going anywhere" allerdings zum letzten Mal, wie es heißt), sie teilen auch so manche musikalische Vorliebe: Während viele Neo-Chanson-KünstlerInnen Gesang mit verspieltem elektronischem Plinkerploinker unterlegen, geben sich Biolay und Zeidel (so Keren Anns eigentlicher Nachname) ganz klassisch.

    Musikalische Anleihen werden bevorzugt bei den 60ern und frühen 70ern genommen: mal sind es Beatles-Harmonien, mal klingt's nach Francoise Hardy (auch wenn Keren Ann sich lieber mit Suzanne Vega vergleicht). Folk und Blues sind die Eckpfeiler - allerdings überwiegt bei Biolay der Blues, während Keren Ann sich eher dem Folk zuwendet - luftigere Klänge passen ohnehin besser zur zarten Stimme. Die legt - etwa bei "Sit in the sun" - manchmal auch Assoziationen in Richtung Stina Nordenstam nahe.

    Begleitend zur Akustik-Gitarre und zum Streicherensemble wird die Spieluhr aufgemacht, die Zupfe geharft und das Piano auf Spinett gestimmt. Vögel rufen, das Meer rauscht - sphärisch mit einem Wort. Und Keren Ann scheut sich auch nicht, zweimal ( "End of May", "Right now & right here") gekonnt einen Kinderchor einzubringen.

    Next time you depart make sure we are apart

    Die Klänge sind also im wesentlichen die gleichen geblieben, wie man sie von Keren Anns früheren CDs "La biographie de Luka Philipsen" (2000) und "La Disparition" (2002) kennt - großes Novum allerdings: sie singt nun auf Englisch. Alle Lieder hat Keren Ann im Alleingang oder gemeinsam mit Benjamin Biolay geschrieben - bis auf den "Ending Song", der in Zusammenarbeit mit dem Isländer Bardi Johannson entstanden ist: einem weiteren Dauer-Partner Keren Anns (ihr gemeinsames Projekt "Lady & Bird" war bereits in der Rubrik Lieblingsplatte der Redaktion vertreten).

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    (Josefson)

    Keren Ann: "Not going anywhere" (Capitol Records/Emi 2004)

    KerenAnn.com

    Verwandte Lieblingsplatten aus dem Vorjahr:

    "Lady & Bird"

    Benjamin Biolay: "Négatif"
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      coverfoto: capitol/emi
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