Gelb gesehen

21. April 2004, 11:42
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Von "Zickenalarm" und anderen Hartnäckigkeiten, die besagen, dass Neid in erster Linie Frauensache ist

Konkurrenz unter Frauen wird landläufig als leidige Sache angesehen - vorallem, weil sie eine einschlägig neidige sein soll. Und Neid ist verpönt. Dieses negativ-tabuisierte Gefühl wird (der Konkurrenz unter) Männern nicht so flink zugesprochen. Nicht vom eigenen Geschlecht - und auch nicht vom anderen. Und das bestärkt wiederum das Vorurteil, Frauen seien das neidigere Geschlecht - wo sie's doch selber so empfinden!

Die (Mundtot-)Schlagwörter "Zickenalarm" und "Stutenbissigkeit" - für Männer gibt es kein gemeines Äquivalent oder schon mal was von "Bocktreten" gehört? - haben tierische Gemeinsamkeiten und bringen verbreitete Meinungen über Konkurrenz zwischen Frauen allerfeinstens zum Ausdruck: das gelbe Monstrum will mensch am liebsten ins Tierreich abschieben. Oder eben den Frauen zuschreiben. Wie es Freud am Beispiel des "Penisneides" getan und damit einen Grundstein gelegt hat für das Neiden als weibliches Problem.

Klischees

Derweil Neid doch ein urmenschliches Derivat, kein weibliches ist! BiologInnen, AnthropologInnen, SozialpsychologInnen sehen Neid als genetisch und kulturell bedingt. Neid wird aus Vergleichen erzeugt, mit deren Hilfe - oder Lasten - sein/ihr Ich sich punkto Soll und Ist updated, plant, sich zu verbessern versucht. Nicht, um zu besitzen, was der/die andere hat, sondern um die hinter Besitztümern und Eigenschaften vermutete Befriedigung selbst zu erfahren.

Die Gründe zu neiden, differieren. Grobschlächtig lässt sich nacherzählen, was Studien bescheinigen: Männern und Frauen als Gruppen entwickeln gleichermaßen Neid in Bezug auf den Status des anderen, der anderen. Worauf sich der Status gründet, bestimmen die in den (geschlechter)identitätsstiftenden Kategorien eingeschriebenen Vorgaben mit. So spielt bei den meisten Frauen nach wie vor das Aussehen eine Rolle, das des Körpers wohlgemerkt eine größere als das des Gesichts; bei Männer ist's der wirtschaftliche Erfolg; einen erfolgreicheren Partner neidet frau, eine schönere Partnerin neidet mann. Und wir können getrost davon ausgehen, dass sich in dieser rigiden Dynamik auch schon Platz gefunden hat für (obiger Beschreibung nach) geschlechterunübliches Neiden. So oder so, in den Wissenschaften kriegen beide Geschlechter ihr Fett weg.

Hartnäckig

Die Hartnäckigkeit des Vorurteils vom Neid als weibliches Phänomen scheint jedoch durch Rationalität nicht so einfach ausmerzbar. Anstatt es als das anzusehen, was es in Wirklichkeit nicht ist, sollte mensch sich überlegen, ob vielleicht Frauen öfters Zielscheibe derartiger Unterstellungen sind! Und dabei nicht vergessen, dass Frauen und Karriere sich noch immer beißen - nicht auf die Stuten-Variante, sondern ob der nur langsam aufbrechenden Rollenbilder. (red)

18.04.2004
  • Neid und sein aggressives Geschwisterl Missgunst sollen Frauensache sein?
    bild: redaktion
    Neid und sein aggressives Geschwisterl Missgunst sollen Frauensache sein?
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