Weltweite Empörung über gezielte Tötung

19. April 2004, 19:22

Arabische Liga: "Staatsterrorismus" - Abdullah: "Verbrechen"- Annan: "Tötungen" beenden - Papst: "Unmenschlich" - USA nur "besorgt"

Gaza/Washington - Die gezielte Tötung von Hamas-Chef Abdelaziz el Rantisi ist weltweit einhellig verurteilt worden und hat in der arabischen Welt einen Aufschrei der Empörung verursacht. Die USA äußerten sich nach Angaben des Weißen Hauses am Samstag "ernsthaft besorgt" über die Stabilität im Nahen Osten, billigten Israel jedoch das Recht auf Selbstverteidigung zu. UNO und EU nannten Rantisis Tötung durch einen israelischen Luftangriff in Gaza illegal, die Arabische Liga sprach von "Staatsterrorismus".

Israel habe "das Recht, sich selbst zu verteidigen", müsse aber die "Folgen seines Handelns bedenken", erklärte das Weiße Haus in Washington. Die US-Regierung ist nach den Worten der nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice von Israel nicht im voraus über die gezielte Tötung von Hamas-Chef Abdelaziz el Rantisi unterrichtet worden. "Die Israelis sagen uns natürlich nicht, dass sie etwas vorhaben", sagte Rice am Sonntag dem US-Fernsehsender Fox News.

Rice verteidigte auch die international scharf kritisierte Entscheidung des US-Präsidenten, dem israelischen Regierungschef Ariel Sharon grünes Licht für seine Siedlungspläne zu geben. Bush unterstütze einen Plan, von dem er glaube, dass er "zum Frieden und einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten" führen werde. Die Sicherheitsberaterin bezeichnete das Vorhaben als "riesige Gelegenheit", die auch die Palästinenser ergreifen sollten, um "friedliche, demokratische Regierungsstrukturen" aufzubauen und Terrorismus zu bekämpfen.

Russland "zutiefst beunruhigt"

Russland hat die Tötung des neuen Hamas-Führers Abdel Aziz Rantisi durch israelische Soldaten hingegen schärfer kritisiert. Israel habe das Recht, sich zu schützen. Dies müsse aber auf der Grundlage internationalen Rechts geschehen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Sonntag in Moskau.

Die russische Führung sei zutiefst beunruhigt über die Entwicklung der Lage nach dem Tod Rantisis, hieß in Moskau. Gemeinsam mit den USA, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen bemüht sich Russland im so genannten Nahost-Quartett um eine Friedenslösung.

"Parteilichkeit"

Nach Ansicht des palästinensischen Regierungschefs Ahmed Korei ist die Tötung des Hamas-Chefs "direkte Folge der Ermunterung und der totalen Parteilichkeit" der USA für Israel. Der palästinensische Präsident Yasser Arafat erklärte, angesichts der "Barbarei der Besatzung" werde der Widerstand nur stärker werden. Nach Ansicht des palästinensischen Außenministers Nabil Shaath kann es mit Israel unter dem Hardliner Sharon keinen Frieden geben.

"Staatsterrorismus"

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, prangerte ebenso israelischen "Staatsterrorismus" an wie der Golf-Kooperationsrat. Der ägyptische Außenminister Ahmed Maher und Jordaniens König Abdullah II. sprachen von einem "Verbrechen". Eine der höchsten Autoritäten des sunnitischen Islam, Scheich Mohammed Sayed Tantawi, erklärte Rantisi in Kairo zum "Märtyrer". Mehrere arabische Staaten sowie den Iran machten Washington für die Ermordung Rantisis "direkt verantwortlich".

Annan: "Unverzüglicher Stopp"

UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte einen "unverzüglichen Stopp" der "außergerichtlichen Tötungen". Ebenso wie die Europäische Union, Russland, Deutschland und zahlreiche andere Staaten äußerte er die Befürchtung, dass "diese Aktion zu einer weiteren Verschlechterung der schon Besorgnis erregenden und brüchigen Lage" in der Region führen werde. Papst Johannes Paul II. sprach von einem "unmenschlichen Akt".

Unter Racheschwüren geleiteten hunderttausende Palästinenser Rantisi am Sonntag in Gaza zu Grabe. Israel kündigte unterdessen die Fortsetzung der gezielten Tötung von Extremisten an. Es wird befürchtet, dass auch Arafat, den die Israelis in seinem Amtssitz in Ramallah praktisch gefangen halten, Opfer einer "Tötung" durch die israelische Armee werden könnte. (APA)

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