Brasilien: Indios töteten 29 Edelsteinsucher

19. April 2004, 22:52
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Illegale Diamantensucher waren in Reservat eingedrungen

Rio de Janeiro - Brasilianische Indios haben im Norden des Landes mindestens 29 Diamantensucher getötet. Mitarbeiter der Indiobehörde Funai fanden nach Medienberichten vom Samstag ein Massengrab mit 26 Leichen in einem schwer zugänglichen Urwaldgebiet im Bundesland Rondonia. Drei leblose Körper waren bereits vor einigen Tagen entdeckt worden. Die Indios vom Stamm der Cintas-Largas hätten die Taten zugegeben, hieß es. Sie hätten die Diamantensucher am 7. April angegriffen, weil sie in das Indioreservat Roosevelt eingedrungen seien.

Als sie das Urwald-Massengrab entdeckten, wurde einigen Beamten der Indiobehörde übel. "Die Körper waren derart entstellt, dass meine Männer nicht einmal genau die Leichenzahl bestimmen konnten. Viele Köpfe sind verschwunden", berichtete Funai-Präsident Mercio Pereira Gomes am Samstag. Der Krieg um Diamanten wird im Amazonas-Regenwald blutiger und gefährlicher denn je.

Zusammenstöße

Seit Beginn der illegalen Diamantensuche im Reservat Roosevelt und dessen Umgebung im Jahr 1999 - wo es eines der größten Diamantenvorkommen der Welt geben soll - gab es bereits unzählige Zusammenstöße zwischen Indios und Diamantensuchern. "Allein in den vergangenen drei Jahren haben wir die Leichen von 36 Konfliktopfern aus dem Reservat gebracht, darunter von mindestens 5 Indios. Die Dunkelziffer liegt aber wohl deutlich höher", sagte der Polizeichef der etwa 100 Kilometer vom Reservat entfernten Gemeinde Espigao d'Oeste, Raimundo Mendes.

Dabei hatten die Cintas-Largas die Aktivitäten des "Weißen Mannes" anfangs zum teil toleriert - und durch die Eintreibung von Wegegeldern daran auch mitverdient. Weil aber die Ausbeutung der Bodenschätze in Indioreservaten von der Verfassung verboten wird, wurden rund 5.000 Goldsucher im Januar 2003 von Polizei und Funai aus dem Reservat vertrieben. Dass sich die so genannten Garimpeiros seit Monaten wieder in das 2,7 Millionen Hektar große Schutzgebiet trauen, wollen die etwa 1.300 Indios nicht mehr hinnehmen - denn nun suchen sie selber nach Diamanten. An der Suche beteiligen sich auch Frauen und Kinder, die bis zu zwölf Stunden täglich an den Flüssen Roosevelt und Igarape Lage knietief im Schlamm schuften.

Ruhig schlafen können die Indios kaum noch - die Garimpeiros haben "Rache für das Gemetzel" geschworen. "Mindestens 50 Indiofamilien, die hier in der Gemeinde Espigao leben und mit dem Konflikt nichts zu tun haben, haben ihre Häuser aus Angst vor Repressalien verlassen", berichtete der örtliche Funai-Vertreter Trajano Azevedo.

Ein Untersuchungsausschuss des Landesparlaments von Rondonia hatte die Zentralregierung in Brasilia bereits 2003 vergeblich um schnelle Hilfe gebeten. "Dieses Blutbad war programmiert. Und wenn die Regierung weiter untätig bleibt, wird es bald noch mehr Tote geben. Hier brauchen wir das Militär", klagte Ausschusspräsident Haroldo Santos. Er will verhindern, dass sich ein Gemetzel von 1963 wiederholt. Damals machten Goldsucher und Gummischneider ein Dorf der Cintas-Largas dem Erdboden gleich. (APA/dpa)

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