Schiiten: Verhandlungen in Najaf sind ins Stocken geraten

19. April 2004, 09:56
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USA lassen angeblich keinen "ernsthaften Willen" erkennen

Bagdad - Die Verhandlungen über ein gewaltloses Ende der Konfrontation zwischen aufständischen irakischen Schiiten und den US-geführten Besatzungstruppen in Najaf sind nach Angaben der Schiiten ins Stocken geraten. "Die Verhandlungen kommen nicht voran ... ich habe keine Hoffnung mehr", sagte ein Sprecher des radikalen Schiiten-Führers Muktada el Sadr am Samstag. "Ich kann bei der Gegenseite keinen ernsthaften Willen erkennen."

Ein Sprecher des US-Militärs sagte, die Präsenz von 2.500 US-Soldaten vor der südirakischen Stadt sei hilfreich. "(El) Sadr ist nervös geworden", sagte er. Die schiitischen Milizen seien in die Stadt gezogen statt Einsätze im Umland auszuführen.

Haftbefehl

El Sadr führt seit Tagen einen Aufstand radikaler Schiiten gegen die Besatzungstruppen an. Die USA haben angekündigt, ihn töten oder festnehmen zu wollen. Gegen den etwa 30 Jahre alten Mann liegt zudem ein irakischer Haftbefehl im Zusammenhang mit der Tötung eines gemäßigten schiitischen Geistlichen vor. Schiiten-Führer in Najaf bemühen sich um eine Verhandlungslösung, um eine Erstürmung der ihnen heiligen Stadt zu verhindern. Direkte Gespräche zwischen den USA und El Sadrs Anhängern finden offenbar nicht statt.

Gefechte zwischen den Besatzungstruppen und Sunniten in Falluja blieben am Samstag dagegen erstmals seit Anfang April aus. "Zum ersten Mal seit Tagen ist Falluja völlig ruhig", sagte am Abend ein Bewohner. Zuvor hatte sich ein hochrangiger US-Vertreter dort in die Verhandlungen eingeschaltet. "Wir sind zuversichtlich, was ihre Absichten angeht", sagte ein US-Sprecher zu dem Stand der Gespräche. Die Frage sei jedoch, ob die Sunniten ihre Zusagen einhalten könnten und ob diese auch schnell umgesetzt werden könnten. "Die Zeit läuft aus", sagte der Sprecher. Die US-Armee war nach Falluja vorgerückt, nachdem dort mehrere US-Bürger getötet und ihre Leichen vor laufenden Kameras geschändet worden waren. (APA/Reuters)

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