Deutsche "Spiegel"-Gruppe wieder auf Wachstumskurs

29. April 2004, 11:49
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"Ergebnis 2003 mehr als verdoppelt"

Die Verlagsgruppe um das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat sich von der deutschen Medienkrise abgesetzt. "Wir haben das Ergebnis 2003 mehr als verdoppelt und sind stolz auf eine zweistellige Umsatzrendite", sagte der Geschäftsführer der Spiegel-Gruppe, Karl Dietrich Seikel, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Ich sehe gute Chancen, auch 2004 wieder eine zweistellige Rendite zu erzielen." Genaue Ergebniszahlen werden nicht veröffentlicht. Die Erlöse der Gruppe, zu der unter anderem das Wirtschaftsblatt "manager magazin", Spiegel TV und der Online-Anbieter Spiegelnet gehören, stiegen um 2,8 Prozent auf 312 Millionen Euro.

Richtige Strategie

"Das zeigt, dass unsere Tochterunternehmen nicht nur einen erklecklichen Beitrag zum Ergebnis liefern, sondern dass unsere Strategie, in neue Geschäftsfelder zu investieren, richtig ist", sagte Seikel. Vor zehn Jahren seien über 90 Prozent des Umsatzes mit dem "Spiegel" erzielt worden, heute seien es noch rund zwei Drittel. Dennoch sieht Seikel auch für das Nachrichtenmagazin mit einer verkauften Auflage von 1,081 Millionen im 1. Quartal 2004 insbesondere in den neuen Ländern Wachstumspotenzial, wo erst rund 50.000 Käufer gezählt werden.

Wachstum bie Fernsehen und Internet erwartet

Deutliches Wachstum erwartet Seikel bei Fernsehen und Internet. "Wir werden im TV noch mehr Auftragsproduktionen machen, beispielsweise historische Formate und Schwerpunktsendungen für ZDF und NDR." Beim gemeinsam mit dem Fernsehveranstalter dctp im Mai 2001 gestarteten Informationsprogramm XXP werde weiter in die technische Reichweite investiert. Mittlerweile sehen an einzelnen Abenden bereits über eine Million Zuschauer bundesweit das aus Nachrichten, Magazinsendungen, Dokumentationen und Kinofilmen bestehende Angebot. "Dann hätte der Verlag als mittelständisches Unternehmen das Kunststück vollbracht, aus eigener Kraft einen kleinen Sender mit gebaut zu haben."

Bei der Spiegelnet GmbH hat die Banner-Werbung maßgeblich für den Umsatz von über 10 Millionen Euro gesorgt. An neuen Bezahlinhalten werde gearbeitet, sagte Seikel. Die Online-Vermarktungsgemeinschaft Quality Channel, die neben Spiegel Online und manager-magazin.de auch externe Online-Marken betreut, schreibe schwarze Zahlen. Spiegelnet soll sie 2006 erreichen.

Anzeigengeschäft weiter rückläufig

Das Anzeigengeschäft war für den Verlag auch im 1. Quartal weiter rückläufig. "Wenn wir nicht weniger als 2003 einnehmen wollen, dann müsste bald etwas passieren", sagte Seikel vor dem Hintergrund der allgemeinen Konjunkturschwäche. Der Rückgang im Anzeigengeschäft um rund sechs Prozent sei 2003 durch die Vertriebserlöse und sonstige Erlöse (Spiegel Special, UniSpiegel, KulturSpiegel, Bücher und CD) überkompensiert worden. "Die Zukunft wird darin liegen, dass wir unseren Werbekunden crossmediale Angebote der Kanäle Print, Fernsehen und Online machen."

Nach dem Tod des Herausgebers Rudolf Augstein am 7. November 2002 hatten die Gesellschafter des Verlags, Gruner + Jahr und die Mitarbeiter KG, ihre Option auf je 0,5 Prozent der Anteile ausgeübt. Die kartellrechtliche Überprüfung sei in Brüssel anhängig, sagte Seikel. Wird der Kauf genehmigt, würde der Hamburger Großverlag eine Sperrminorität von 25,5 Prozent halten, die Mitarbeiter 50,5 Prozent und die Augstein-Erben 24 Prozent. Die Spiegel-Gruppe beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter. (APA/dpa)

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