100 Jahre "L'Humanité"

29. April 2004, 11:42
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Kommunistische Tageszeitung kämpft mit Leserschwund

Den Titel der kommunistischen Tageszeitung "L'Humanité" (Menschheit) kennt in Frankreich fast jeder, doch lesen tut das Blatt fast niemand mehr. Das engagierte Sprachrohr der Armen und Arbeitslosen, das an diesem Sonntag mit einer großen Grillparty seinen 100. Geburtstag feiert, wird von hohen Schulden und ständigem Leserschwund belastet.

Bemerkenswert ist, dass es "L'Humanité" überhaupt noch gibt. Während in europäischen Nachbarländern kommunistische Zeitungen längst in Archiven verstauben, hält sich im streikfreudigen Frankreich eine Oppositionskultur gegen "die da oben", die als böse Kapitalisten gelten. "Die Zeitung hat nach dem Zusammenbruch des Ostblocks im Zeitalter der Globalisierung durchaus ihren Platz als Vertreter kommunistischer Meinungen", sagt der frühere Herausgeber Roland Leroy.

Nostalgisch sehnen sich die Verleger nach den Glanzzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg zurück, als "L'Humanité" 1946 mit einer Auflage von knapp 530.000 Exemplaren den Höhepunkt ihrer Verbreitung fand. Seitdem ging es langsam aber stetig bergab. Der Fall der Berliner Mauer markierte symbolisch den Todesstoß für die Zeitung.

Gegründet hat das Blatt der sozialistische Politiker Jean Jaures am 18. April 1904. Damals hatte die Zeitung vier Seiten und wurde für fünf Centimes verkauft. 1923 stieg sie zum Zentralorgan der Kommunistischen Partei Frankreichs auf und trug fortan die Symbole von Hammer und Sichel auf der Titelseite. Die engen Beziehungen zu den kommunistischen Ländern werden heute selbstkritisch eingeschätzt. (dpa)

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