Südtiroler Volkspartei hat neuen Obmann

19. April 2004, 15:59
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Lektion der Basis für die SVP-Spitze - Außenseiter Elmar Pichler Rolle neuer Parteichef

Meran - Bei ihrem Parteitag in Meran hat die Basis der Südtiroler Volkspartei (SVP) der Parteiführung eine deutliche Lektion erteilt. Bei der Wahl des neuen Parteichefs siegte am Samstag der Bozner Vizebürgermeister Elmar Pichler Rolle (44) mit 72 Prozent der Stimmen über den von einem Großteil der Parteispitze gestützten Kandidaten der Wirtschaft, Dieter Steger, Direktor des Kaufleute-Verbandes.

Pichler Rolle versprach, die Parteibasis bei allen wichtigen Entscheidungen zu berücksichtigen: "Ihr seid nicht dazu da, Entscheidungen hinterher abzusegnen", sagte er in Anspielung auf den in der SVP zunehmend kritisierten Führungsstil von Landeshauptmann Luis Durnwalder. "Wir wünschen uns eine SVP, die nahe am Menschen ist", erklärte Pichler Rolle unter dem Beifall der mehr als tausend Delegierten im Kursaal von Meran. Einen Teil seiner Rede hielt der neue Obmann in ladinischer Sprache.

Pichler Rolle, der lange als Journalist der Tageszeitung Dolomiten tätig war, ist seit zwei Legislaturperioden Stellvertreter des Bozner Bürgermeisters Giovanni Salghetti und gilt in ethnischen Streitfragen als Pragmatiker.

Der neue Obmann, der keiner der parteiinternen Strömungen angehört, tritt die Nachfolge von Siegfried Brugger an, der sich nicht mehr der Wiederwahl stellte. "Als ich vor zwölf Jahren mein Amt antrat, galt die SVP vor allem bei jungen Leuten als verstaubt und altmodisch", erklärte Brugger. "Ich habe mein Ziel erreicht, die SVP in eine moderne, zukunftsorientierte Volkspartei umzuwandeln." Das Verhältnis zur römischen Regierung bezeichnete Brugger als kühl: "Man versucht, uns aus dem Weg zu gehen, wo man kann."

Österreichs Nationalratspräsident Andreas Khol versprach die weitere Unterstützung Wiens bei der Verteidigung der Autonomie: "Wir werden nicht zulassen, dass auch nur ein Jota an der Autonomie verändert wird." Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte, er habe gemeinsam mit Landeshauptmann Durnwalder in Brüssel viel für die Dezentralisierung Europas erreicht. Entschieden wandte sich Stoiber in Meran gegen eine Aufnahme der Türkei in die EU.

SVP-Europaabgeordneter Michl Ebner forderte in seiner Rede die Südtiroler auf, ihn bei der Wahl im Juni zu unterstützen, und attackierte die Grünen. Vor allem im Arbeitnehmerflügel der SVP gibt es offene Sympathie für dessen früheren Exponenten Josef Kusstatscher, der diesmal für die Grünen kandidiert. (DER STANDARD, Printausgabe 19.4.2004)

Von Gerhard Mumelter aus Bozen
  • Elmar Pichler Rolle hatte bereits in den Regionalwahlen einen deutlichen Vorsprung vor seinem Gegenkandidaten errungen.
    foto: stadt bozen

    Elmar Pichler Rolle hatte bereits in den Regionalwahlen einen deutlichen Vorsprung vor seinem Gegenkandidaten errungen.

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