Arafat kritisiert US-Unterstützung für Sharons Nahost-Plan

19. April 2004, 06:46

Palästinensischer Minister Shaath sagt aus Protest USA-Besuch ab

Ramallah - Der palästinensische Präsident Yasser Arafat hat die amerikanische Rückendeckung für den jüngsten israelischen Plan zur Zukunft des Westjordanlandes scharf kritisiert. "Niemand auf dieser Welt hat das Recht, unser Land und unsere Rechte preiszugeben", erklärte Arafat am Samstag. "Unser Volk und unsere Führung sind die Einzigen, die legitimiert sind, im Namen der Palästinenser zu sprechen."

Der palästinensische Minister für Auslandsangelegenheiten, Nabil Shaath, hat aus Protest gegen den Kurswechsel des US-Präsidenten einen geplanten Besuch in Washington abgesagt. Aus palästinensischen Kreisen verlautete am Samstag, Ziel des Besuchs am 21. April seien Gespräche über den einseitigen Abtrennungsplan des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon gewesen. Man habe auch nach Wegen suchen wollen, den festgefahrenen Nahost-Friedensprozess voranzubringen. Vertraute Shaaths sagten, nach den Äußerungen von George W. Bush vom Mittwoch sehe er keinen Sinn mehr in der Reise. Er war zuvor von einem Besuch in Russland zurückgekehrt, wo er Gespräche über die jüngsten Entwicklungen in der Nahost-Frage geführt hatte.

US-Präsident Bush hatte sich am Mittwoch hinter die international umstrittene Politik des israelischen Ministerpräsidenten Sharon gestellt. Sharons Plan sieht vor, sämtliche jüdischen Siedlungen im Gazastreifen zu räumen, aber dafür große Siedlungsblöcke im Westjordanland zu behalten. Der Präsident hatte nach einem Gespräch mit Sharon erklärt, ein vollständiger Rückzug Israels aus dem Westjordanland und eine Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge nach Israel seien unrealistisch. Bush stellte sich in der Frage des einseitigen Abtrennungsplans voll hinter Sharon.

Dieser Abtrennungsplan stößt auch auf Kritik der Europäischen Union und der Vereinten Nationen. Die EU will an dem Road Map genannten internationalen Friedensplan festhalten, nach dem Israel die endgültige Grenze zum Westjordanland gemeinsam mit den Palästinensern aushandeln muss. (APA)

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