Eiszeit zwischen Rauch-Kallat und Dorner

19. April 2004, 11:20
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Ministerin kritisiert Wortwahl von "einigen wenigen Funktionären" - Dorner ist sich keiner Schuld bewusst

Wien - Frauensolidarität statt Kassen-Streit sollte am Samstag eigentlich im Vordergrund des 6. Wiener Ärztinnentags der ÖVP-nahen Vereinigung Österreichischer Ärzte in Wien stehen. Überzeugen konnte dieser Wunsch aber nicht: Bei der Pressekonferenz vor Beginn der Veranstaltung war die eisige Stimmung zwischen Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) und Wiens Ärztekammer-Präsident Walter Dorner deutlich spürbar.

"Wäre Ihre Brust keine zweite Untersuchung wert, Frau Minister?"

Grund für das Zerwürfnis: Dorner hatte am 6. April an die Ministerin nach der Ablehnung des Kassenvertrags im Verwaltungsrat des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger und der Ankündigung einer Sonderprüfung der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) einen offenen Brief gerichtet. Er warf ihr darin "Geringschätzung gegenüber der Wiener Ärzteschaft und der Bevölkerung" vor und fragte in Sachen Spardruck im Gesundheitswesen: "Wäre Ihre Brust keine zweite Untersuchung wert, Frau Minister?"

Zur heutigen Pressekonferenz erschien Dorner erst, als sie fast vorbei war. In seiner Abwesenheit bestritt Rauch-Kallat, dass es ein generelles Zerwürfnis mit der Kammer gebe. "Wir müssen ein bisschen unterscheiden zwischen der gesamten Ärztekammer und einigen wenigen Funktionären, die den richtigen Ton offensichtlich nicht gefunden haben im Umgang miteinander", betonte sie. In ihrer bisherigen Tätigkeit habe sie jedenfalls immer gute Kontakte zu den Standesvertretern gehabt.

Dorner ist sich keiner Schuld bewusst

Als Rauch-Kallat bereits zur Eröffnung des Ärztinnentages geeilt war, gab sich Dorner gegenüber dem ORF keineswegs schuldbewusst. Er bestritt, die Ministerin unter der Gürtellinie angegriffen zu haben, davor würde er sich "absolut hüten". Im Übrigen greife Rauch-Kallat oft zu noch viel schärferen Formulierungen, meinte er.

In der Pressekonferenz reichte Dorner der Ministerin zwar die Hand, in seinem Statement begrüßte er dann aber nur die "liebe Melitta", die Ärztin und Veranstalterin Melitta Bohn-Rieder. Dann noch ein Seitenhieb in Sachen neuer Kassenvertrag: Dieser bringe für Ärztinnen mit Kindern erstmals die Möglichkeit des Job-Sharing, so Dorner, bloß sei die Regelung derzeit blockiert.

Problem sind die Finanzen der Gebietskrankenkasse

Rauch-Kallat versuchte zu beruhigen. "Das Problem ist nicht der Kassenvertrag in Wien, das Problem ist die Finanzierung der Gebietskrankenkasse." Es gehe darum, nach dem Urteil des Verfassungsgerichtshofs auf die neue Finanzlage zu reagieren, und zwar egal, ob der jeweilige Verantwortliche in Kasse oder Hauptverband politisch gesehen "grün, gelb oder ein Kakadu" sei.

Sollte dies adäquat geschehen, rechnet Rauch-Kallat mit grünem Licht aus dem Verwaltungsrat: "Ich gehe davon aus, dass dieser Vertrag dann auch genehmigt wird." Einen vertragslosen Zustand brauche man nicht zu befürchten: "Es gibt ausreichend Zeit, das in Ordnung zu bringen." (APA)

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