US-Soldat in der Hand irakischer Aufständischer

19. April 2004, 09:56
95 Postings

Al Jazeera sendet Video mit gefangenem GI - Gefangenen-Austausch gefordert - Drei Japaner freigelassen

Washington/Bagdad - Das Geiseldrama im Irak geht weiter - und es betrifft nun auch direkt die USA: Aufständische im Irak halten nun zumindest einen US-Soldaten gefangen. Unterdessen wurden am Samstag zwei japanische Geiseln in Bagdad freigelassen. Sie waren am Mittwoch entführt worden, ihre Gefangennahme wurde jedoch erst kurz vor ihrer Freilassung bekannt. Drei italienische Geiseln befinden sich indessen noch immer in der Gewalt ihrer Entführer, die bereits eine Geisel getötet haben.

Auf Anforderung der ausländischen Botschaften hat das irakische Innenministerium eine Polizei-Spezialeinheit für die Untersuchung der zahlreichen Geiselnahmen ins Leben gerufen. Innenminister Samir el Sumaydai begründete die Maßnahme am Samstag vor Journalisten in Bagdad damit, dass politisch motivierte Geiselnahmen dem Image des Landes schadeten. Bereits seit mehreren Monaten befasse sich eine Sondereinheit der Polizei mit Entführungen mit kriminellem Hintergrund.

Video auf Al Jazeera

Die Entführung des US-Soldaten Maupin war am Samstag das beherrschende Thema in der US-Presse. Mehrere Zeitungen zeigten auf ihrer Titelseite das Foto des Soldaten Keith Matthew Maupin, den die Rebellen als Geisel vorführten. Der arabische Fernsehsender Al Jazeera hatte am späten Freitagabend ein Videoband ausgestrahlt, auf dem der Soldat umringt von maskierten Bewaffneten zu sehen war. Der Soldat wirkte unverletzt. Ein Sprecher des US-Oberkommandos Mitte erklärte in Washington, der Mann auf dem Videoband habe sich als Obergefreiter Maupin bezeichnet.

Jugendfreund erkennt US-Soldaten wieder

Bei dem US-Soldaten handelt es sich nach Angaben einer seiner Bekannten tatsächlich um den seit einer Woche vermissten Keith Maupin. "Ich sitze hier und sehe ihn" im Fernsehen, sagte Jan Rolland am Freitag in ihrem Haus in Withamsville im US-Bundesstaat Ohio zu Journalisten. "Er ist es."

Zwei US-Soldaten und sieben amerikanische Zivilisten vermisst

Seit Freitag werden zwei US-Soldaten - darunter eben der 20-jährige Keith Maupin aus dem US-Staat Ohio - und sieben zivile amerikanische Mitarbeiter des US-Konzerns Halliburton in Irak vermisst. Ihr Fahrzeugkonvoi wurde am westlichen Rand von Bagdad angegriffen. Von einem der Zivilisten, einem 43-jährigen Lastwagenfahrer, ist bekannt, dass er entführt wurde. Seine Kidnapper haben mit seiner Tötung gedroht. Über sein Schicksal ist nichts bekannt. Nahe dem Angriffsort wurden Anfang der Woche vier Leichen entdeckt. Unklar blieb bisher, ob es sich bei den Toten um einige der Vermissten handelt.

Gefangenen-Austausch gefordert

Einer der Bewaffneten auf dem Videoband erklärte, der Soldat werde festgehalten, um gegen "einige der Gefangenen, die die Besatzungstruppen genommen haben", ausgetauscht zu werden. Er werde gemäß den islamischen Regeln für Gefangene behandelt und sei bei guter Gesundheit, sagte der Bewaffnete. Die Stimme des Soldaten selbst war nicht zu hören. Ein Sprecher erklärte auf arabisch, der Soldat habe gesagt, er sei der Obergefreite Keith Maupin.

Zwei Japaner freigelassen

Zwei im Irak verschleppte japanische Staatsbürger mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Die beiden Japaner seien in Bagdad freigelassen worden, teilte ein Mitarbeiter des Komitees moslemischer Gelehrter, Scheich Abdul Salam Kubaissi, in der irakischen Hauptstadt mit. Sie seien in "sehr guter" gesundheitlicher Verfassung. Die arabischen Fernsehsender Al Arabiya und Al Jazeera berichteten am Samstag, die beiden Japaner seien in einer Bagdader Moschee an islamische Geistliche und Vertreter der japanischen Regierung übergeben worden.

Die japanische Regierung hatte erst kurz zuvor bekannt gegeben, dass die beiden Japaner "wahrscheinlich" entführt worden seien. Der 30-jährige Journalist Junpei Yasuda und der 36-jährige Friedensaktivist Nobutaka Watanabe waren verschwunden, als sie am Mittwoch zur Absturzstelle eines US-Hubschraubers westlich von Bagdad fuhren, um Fotos zu machen. Am Donnerstagabend waren drei in der Vorwoche entführte Japaner von ihren Entführern freigelassen worden.

Seit Anfang April haben irakische Besatzungsgegner rund 40 Ausländer in ihre Gewalt gebracht, um unter anderem den Abzug von Besatzungstruppen zu erzwingen. Eine italienische Geisel war vor den Augen von drei italienischen Mitgefangenen erschossen worden. Ein Italiener war erschossen worden, die Entführer hatten angekündigt, alle 48 Stunden eine Geisel zu töten. Das war vor mehr als 48 Stunden, die Geiselnehmer ließen seither jedoch nichts mehr von sich hören. (red/APA/Reuters)

  • Der arabische Sender Al Jazeera zeigte ein Video, auf dem der entführte 20-jährige Obergefreite Keith Maupin zu sehen war.
    foto: al jazeera

    Der arabische Sender Al Jazeera zeigte ein Video, auf dem der entführte 20-jährige Obergefreite Keith Maupin zu sehen war.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Entführung der beiden japanischen Zivilisten Nobutaka Watanabe (links) und Jumpei Yasuda war erst wenige Stunden vor ihrer Freilassung bekanntgegeben worden.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Japaner Jumpei Yasuda beim Telefonieren vor der Al-Quara-Moschee in Bagdad nach seiner Freilassung.

Share if you care.