Pinguin-Vermehrung flutscht besser, wenn Menschen zugucken

18. April 2004, 12:00
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Überraschendes Ergebnis einer neuseeländischen Studie - Forscher hat jedoch banale Erklärung parat

Waikato/Auckland - Baby-Pinguine überleben anscheinend besser, wenn ihre Eltern durch Menschen beobachtet werden. Zu diesem auf den ersten Blick überraschenden Ergebnis kommt eine Studie der Universität von Waikato in Neuseeland, die bei der Antarktis Konferenz vorgestellt wurde, berichtet der New Zealand Herald.

Mehr als drei Jahre lang untersuchen die Biologen um Nick Ling 16 verschiedene Adelie-Pinguin-Kolonien (Pygoscelis adeliae) in der Antarktis. Das erste Ergebnis der Studie hat auch die Forscher überrascht: Offensichtlich überlebten dort, wo regelmäßig Touristen an Land gingen, mehr Jungtiere als in Regionen, in denen die Tiere für sich blieben.

Vermutliche Lösung

Der Biologe nimmt aber an, dass der Grund für Phänomen darin liegt, dass Menschen die Raubmöwen, so genannte Subantarktikskuas (Catharacta antarctica) vertreiben. Diese sind nämlich für Jungtiere eine ernst zunehmende Bedrohung.

Die Experten diskutieren bei der derzeit stattfindenden Konferenz die Auswirkungen des Tourismus in der Antarktis. Allein im Vorjahr wurde der Kontinent von über 13.000 Touristen besucht. Die meisten kamen mit Kreuzfahrtschiffen in der Südsommersaison. "Antarktis-Tourismus wird in den kommenden Jahren noch weiter zu nehmen", meint Ling. Trotz der Auflagen, dass sich Touristen Pinguinkolonien nicht nähern dürfen, ist die Distanz zu den Tieren teilweise sehr gering - und Pinguine neigen dazu auf Menschen zuzukommen.

Auch "Forschungstourismus" blüht

Neben der Zahl der Touristen nimmt aber auch die von Biologen und Forschern stark zu. "Bei Untersuchungen von Pinguinen konnten die Forscher feststellen, dass die Anwesenheit des Menschen aber sehr wohl zu einem extremen Anstieg der Herzfrequenz führte", so Ling. Die Langzeiteffekte davon seien aber nicht bekannt.

Das Forscherteam hat bisher mit Hilfe von Video-Aufnahmen das Verhalten der Pinguine beobachtet. Darüber hinaus wurden Kolonien auf deren Nachwuchsraten hin untersucht, sowie von einzelnen Pinguinen Blut- und Kotproben entnommen, um Hormonwerte zu messen. Das Forscherteam wird weitere zwei Sommer in der Antarktis verbringen, um neue Erkenntnisse über die Verhaltensweisen der Tiere zu sammeln. (pte)

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