In Westeuropa wieder groß im Kommen: Die Syphilis

22. April 2004, 15:10
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Robert Koch-Institut und Münchner Forscher melden starken Anstieg von Erkrankungen - "Safe Sex" ist gefragt

München - Die gefährliche Geschlechtskrankheit Syphilis (Lues) ist in Westeuropa im Steigen - zu dieser Erkenntnis kommt das Robert Koch-Institut (RKI). Auch Wissenschafter der Dermatologischen Klinik am Klinikum der Universität München melden, dass die Zahl der Neuerkrankungen wieder stark ansteigt. Allein im ersten Quartal verzeichnete die Klinik 16 Fälle der meldepflichtigen Erkrankung.

Nahezu eine ganze Generation von Ärzten hat außerhalb der Lehrbücher kaum noch Syphilis-Patienten gesehen, da die Erkrankung vor knapp zehn Jahren in Westeuropa als fast ausgestorben galt. Doch seit einigen Jahren werden auch in Deutschland wieder zunehmend Neuerkrankungen festgestellt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden 2002 über 2.200 Fälle der Geschlechtskrankheit, rund 720 mehr als noch im Jahr davor, gemeldet. Die Zunahme geht, so die Experten, vor allem auf Infektionen bei homosexuellen Männern zurück. Offensichtlich lässt die Angst vor sexuell übertragbaren Krankheiten wieder deutlich nach, schlussfolgern die Forscher.

Die Krankheit

Syphilis ist eine Geschlechtskrankheit, die durch das Bakterium Treponema pallidum übertragen wird. Die Erkrankung verläuft in mehreren Stadien und war früher wegen der Erkrankung des Nervensystems im vierten und letzten Stadium gefürchtet. Seit der Entdeckung der Antibiotika Salvarsan und Penicillin kann man sie gut behandeln. Ohne Therapie führt sie jedoch oft zu chronischem Leiden und Tod.

Syphilis wird durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Eine Mutter kann ihr ungeborenes Kind auf dem Blutweg anstecken, wenn sie sich während der Schwangerschaft mit Syphilis infiziert. Häufig führt dies zu einer Fehlgeburt im fünften Monat oder Missbildungen.

Der Verlauf

Im ersten Krankheitsstadium, drei bis vier Wochen nach der Ansteckung, erscheint an der Stelle, an der die Bakterien in die Haut oder Schleimhaut eingedrungen sind, ein schmerzloses Geschwür, anschließend schwellen die benachbarten Lymphknoten an. Auch unbehandelt heilen die Geschwüre von selbst nach einigen Wochen ab. Im zweiten Stadium kommt es oft zu grippeartigen Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Kopf- und Gliederschmerzen. Die Lymphknoten am ganzen Körper sind vergrößert. Nach zehn Wochen erscheint bei den meisten Erkrankten ein Hautausschlag, der nach rund vier Monaten abheilt. Normalerweise kommt die Krankheit dann in eine Stillstandsphase.

Im Tertiärstadium, drei bis fünf Jahre später, sind nicht nur Eintrittspforte, Lymphknoten und Haut befallen, sondern auch innere Organe wie Blutwege, Luftwege, Rachen, Speiseröhre, Magen, Leber, Knochen, Muskeln. Es bilden sich Knoten, die oft gummiartig verhärtet sind. Auf der Haut bilden sie mitunter große Geschwüre, am Gaumen entsteht unter Umständen ein Loch zur Nasenhöhle. Wenn diese Knoten aufbrechen, zerstören sie das umgebende Gewebe.

Das vierte Stadium

Ohne Behandlung kommt es 10 bis 20 Jahre nach Beginn der Erkrankung zu schweren neurologischen Störungen, dem so genannten vierten Krankheitsstadium. Ein Viertel der unbehandelten Patienten erkranken an chronischer Hirnentzündung, die zu Geistesschwäche führt. Weiters wird das Rückenmark und seine austretenden Nerven bis zu einer Lähmung geschädigt. Unglücklicherweise wird bei Patienten mit einer Immunschwäche wie zum Beispiel HIV ein rascher Verlauf durch alle Stadien der Erkrankung beobachtet. (pte)

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