Die Heimwehr

16. April 2004, 20:28
9 Postings

Die von Großgrundbesitzern und Industriellen aufgepäppelte Heimwehr war von Anfang an eine Feindin der Demokratie

Der Weg zur Zerstörung der demokratischen Republik war durch das Bündnis der Christlichsozialen mit den Heimwehren vorgezeichnet. Diese hatten sich aus den in den Umbruchtagen 1918 gebildeten Wehrverbänden entwickelt. Ehemalige Offiziere und Korpsstudenten, finanziell gestützt von Großgrundbesitzern und Industriellen, warben Söldner vor allem aus der verarmten Landbevölkerung an. So zerstritten die einzelnen Führer oft untereinander waren - eines einte sie: die Feindschaft gegen die Sozialdemokraten.

Der christlichsoziale Landeshauptmann der Steiermark, Anton Rintelen, bildete 1919 eine "Steirische Heimwehr", und in der Obersteiermark rüstete sie der Rechtsanwalt Walter Pfrimer mit dem Geld der mächtigen Alpine-Montan-Gesellschaft gegen die "rote Gefahr" auf.

Im November 1922 kam es in Judenburg zu ersten Zusammenstößen zwischen den "Hahnenschwanzlern" (so genannt nach den Spielhahnfedern auf ihren Hüten oder Mützen) und der dortigen Arbeiterwehr. Der Vorschlag des SP-Militärpolitikers Julius Deutsch, alle Wehrverbände zu entwaffnen, wurde abgelehnt; darauf gründete dieser 1923 den Republikanischen Schutzbund.

Auch in den übrigen Bundesländern bildeten sich Heimwehrgruppen. Die Ereignisse des Sommers 1927 - Justizpalastbrand und Polizeimassaker - gaben der Heimwehr Auftrieb. Bundeskanzler Seipel setzte immer deutlicher auf sie als bürgerliche Kampfbewegung. Die Heimwehr, insbesondere nach der Bestellung des oberösterreichischen Gutsbesitzers Ernst Rüdiger Starhemberg zum Bundesführer, knüpfte Kontakte zu Mussolini an, der sie mit Geld und Waffen unterstützte.

Mit dem "Korneuburger Eid" vom 18. Mai 1930 bekannte sich die Heimwehr offen zum Faschismus: "Wir wollen nach der Macht im Staate greifen . . . Wir verwerfen den westlichen Parlamentarismus und den Parteienstaat!"

Interne Konflikte

Rivalitäten zwischen Starhemberg und dem Führer der Wiener Heimwehr, Emil Fey, schwächten die Heimwehr; 1930 trat jener mit einem "Heimatblock" zur Wahl an, Fey aber unterstützte die Christlichsozialen. Der Heimatblock gewann nur acht Mandate.

Ein Putschversuch des Steirischen Heimatschutzes unter Pfrimer scheiterte 1931 kläglich; Pfrimer musste ins Ausland flüchten. Dennoch wurde die Heimwehr zum Zünglein an der Waage, als Dollfuß ihre Stimmen im Parlament brauchte, um sich 1932 an der Regierung zu halten; man einigte sich auf einen autoritären Kurs. Als bei den Gegnern besonders verhasste Hilfspolizei tat die Heimwehr 1934 ihre blutigen Dienste.

Zunächst im Besitz von Machtpositionen im Ständestaat-Regime, entledigte sich Kanzler Schuschnigg ihrer mit der Absetzung Starhembergs als Vizekanzler, als dieser Mussolini 1936 zur Einnahme der äthiopischen Hauptstadt gratuliert hatte. Die Heimwehr wurde als "Frontmiliz"der Vaterländischen Front eingegliedert. (Manfred Scheuch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18. 4. 2004)

  • Sommer 1934: Aufmarsch der Heimwehr vor der Wiener Oper
    foto: der standard/vga, wien

    Sommer 1934: Aufmarsch der Heimwehr vor der Wiener Oper

Share if you care.