Reizräume: Architektur mit Sex

18. April 2004, 12:00
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Kenner der älteren Jahrgänge des Playboy werden sich erinnern, dass Architektur dort einst eine nicht unwesentliche Rolle spielte

Kenner der älteren Jahrgänge des Playboy werden sich daran erinnern, dass Architektur einst in diesem Magazin eine nicht unwesentliche Rolle spielte, von dem der legendäre Herausgeber Hugh Hefner einmal behauptete, wenn man die Frauenfotos weglasse, dann sei es eigentlich eine Literaturzeitschrift. Doch die Zeiten, als der Leser zwischen den Nacktstrecken auf Reportagen utopischer Architekturprojekte von Ant Farm bis Arcosanti stoßen konnte, sind lange vorbei.

Nun ist die Architektur in der deutschsprachigen Ausgabe unerwartet wieder aufgetaucht, im Anzeigenteil, Kopfzeile "Österreich-Promotion". Dort lockt der "Star-Architekt" Alexander Eduard Serda mit einer mallorquinischen Residenz samt Schwimmbecken, das etlichen Playmates Platz bieten würde. Der "Sohn wohlhabender Eltern und lässige Bonvivant", wie in einer der vielen Lifestyle-Reportagen über Serda einmal zu lesen war, hofft nach eigenen Angaben nicht auf den Playboy-Leser als Klienten, scheut aber Architekturzeitschriften wie der Dandy die U-Bahn. Lieber schmeißt er auf seinem Londoner Hausboot wilde Partys und erscheint damit in den People-Spalten. Die "Playboy-Architektur", von Sigfried Giedion verächtlich als Irrweg der Moderne bezeichnet, hat einen neuen Anhänger gefunden. (oel/ALBUM, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.4.2004)

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    foto: anzeige im playboy
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