Endspurt: "Beflügelt" und "auf Schiene"

19. April 2004, 12:17
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Fischer tourt im ÖBB-Sonderwagon durch Österreich - Ferrero-Waldner will "das Tempo verschärfen"

ÖVP und SPÖ werfen sich jetzt mit ganzer personeller Kraft in die letzte entscheidende Wahlkampfwoche. Benita Ferrero-Waldner bekommt Unterstützung von den Landes- hauptleuten, Heinz Fischer setzt auf eine Abschlusstour mit Öffi-Charme.

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In der Volkspartei wird das Wahlkampfmotto "Wir für Benita" ab sofort wörtlich genommen. Den Anfang machte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Gemeinsam mit Fachminister Josef Pröll rückte er am Freitag zur nachtschlafenden Zeit, nämlich um fünf Uhr morgens, aus um am Wiener Großgrünmarkt Inzersdorf für seine Kandidatin zu werben.

"Eine Persönlichkeitswahl darf keine Parteiwahl sein", meinte Schüssel zwar, aber es bestünde kein Zweifel, dass die gesamte Partei die ÖVP-Kandidatin unterstütze und trage. Auch wenn Ferrero das vielleicht gar nicht mehr braucht, denn: "Benita hat in den letzten Wochen Flügel bekommen."

Und damit sie diese auch als Erste ins Ziel tragen, will die ÖVP in der letzten Wahlkampfwoche "das Tempo verschärfen", wie es Generalsekretär Reinhold Lopatka formuliert. Und zwar auf allen Ebenen. Von unten - in dem die über 1400 lokalen "Wir für Benita"-Initiativen mit neuem Wahlkampfmaterial ausschwärmen. Und von oben - mithilfe der "herausragenden Persönlichkeiten aus den Ländern, in denen die ÖVP stark ist" (Lopatka). Will heißen: Benita Ferrero-Waldner bekommt kräftige Unterstützung von den fünf schwarzen Landeshauptleuten.

Minister pro Benita

Parallel dazu müssen auch die schwarzen Regierungsmitglieder für ihre Kandidatin werben. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer zog es am Freitag zwecks Benita-Promotion zu einem Wiener Eissalon, und Innenminister Ernst Strasser verteilte Flyer am Reumannplatz.

Während Ferrero also ab sofort im Paarlauf mit den schwarzen Landeshauptleuten noch einmal durchs Land tourt, setzt sich SPÖ-Kandidat Heinz Fischer in einen Sonderwagon der ÖBB. Dabei bekommt auch Fischer verstärkt Rückendeckung aus seiner Partei: SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer wird ihn bei seiner dreitätigen Bahntour, die ihn kreuz und quer durch Österreich führen soll, begleiten.

Heifi im Sonderwagon

Denn, so SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos: "In den letzten Tagen geht es darum, noch möglichst viele direkte Kontakte zu haben." Diskussionsveranstaltungen, Frühschoppen und Theaterbesuche sollen Unentschlossene mobilisieren. Speziell für die weibliche Zielgruppe, bei der Fischer nach wie vor Aufholbedarf hat, werden landesweit eigene "Frau für Fischer"-Partys geschmissen - ohne DJ Heifi, dafür mit prominenten Damen aus dem Unterstützungskomitee.

Für beide Kandidaten gibt es in der letzten Woche noch Potenzial, analysiert Fessel&Gfk-Forscher Peter Ulram: "Fischer kann natürlich bei Frauen und bei älteren Männern mit FPÖ-Affinität Stimmen holen. Ferrero könnte vor allem jüngere Wähler und SPÖ-Wählerinnen aus der unteren und mittleren Bildungsschicht ansprechen."

Wenig zu holen gebe es laut Ulram für Ferrero bei älteren Männern: "Da muss jetzt der Parteiapparat mobilisieren." "Dort sind die Fronten festgefahren", befürchtet "Wir für Benita"-Komitee-Organisator Kurt Bergmann. "Wir werden uns jetzt ganz auf die Jungen konzentrieren."

Wie Ferrero, die am Freitag vom Außenministerrat in Irland zurück in die Steiermark jettete, wählte auch Fischer die grüne Markt als Auftakt für die letzte Wahlkampfrunde.

"Ich bin guat drauf"

Dort gab er sich gelöst - und nahezu euphorisch: "Ich bin guat drauf." Er fühle sich nach der Fernsehkonfrontation mit Ferrero-Waldner direkt "beflügelt". Es sei quasi "ein Vitaminstoß" gewesen. Obzwar die Außenministerin es "gut gemacht hat". Aber die Mehrheit der Wähler, glaubt Fischer, "wird, wenn sie die Augen zumachen und überlegen, wen sie in der Hofburg in einer schwierigen Situation haben wollen, eine eindeutige Entscheidung fällen."

In der Remise der Grazer Verkehrsbetriebe durfte der gebürtige Grazer eine erste Aufwärmrunde für seine große Wahlkampfabschlusstour drehen. Er klatschte in die Hände und freute sich wie ein kleiner Junge: "Ich darf Tramway fahren." (kmo, mue, to, DER STANDARD, Printausgabe 17./18.4.2004)

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