Sieg ist eine Frage der Perspektive

19. April 2004, 13:32
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Zwei Orte, zwei Stimmungen: In der SP-Zentrale beklatschte man Fischer - in der VP-Wahlwerkstatt wird Ferrero-Waldner bejubelt

"Die Benita trägt unser rot-weiß-rotes Freundschaftsarmband! Jetzt kann nichts passieren." - Rot-weiß-rot bemalte Wangen werfen sich in Lächelpose, die Siegerin des TV-Duells steht sofort fest. Zumindest in der "Wahlwerkstatt", wo sich Fans treffen, um Ferrero-Waldner zu beklatschen. Und um Frische zu demonstrieren. Weil: "Pff, der Fischer schaut fad aus."

Verzetnitsch, leger und lässig

Lockerheit ist keine Altersfrage. Findet ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch: Leger gekleidet, sitzt er lässig auf der Stiege - Hunderte Meter weiter, mit Sympathisanten in der SP-Wahlzentrale. Zuhören, das hält er nicht aus: Schon bei den Fischer-Klagen zu Beginn, dass niemand ernste Themen würdigt, greift Verzetnitsch zum Handy. Ein SMS ist fällig. Ab dem Pensionsthema wird öfters telefoniert.

Eher nicht mit der VP-Zentrale. Dort wird jeder Ferrero-Waldner-Sager bejubelt. Noch lautere Jawoll-Rufe bekommt nur einer - Elmar Oberhauser. Etwa für seinen Polterer an Fischer: "Wir müssen aufpassen, sonst kann uns nur jemand folgen, der 17 Semester Staatsrecht studiert hat."

Stimmungshoch

Derartige Feinheiten stören den roten Fischer-Fanklub nicht. Das erste Stimmungshoch folgt auf Ferreros Sager, es sei "an der Zeit, dass eine Frau eine Chance bekommt". Der Konter Fischers, dass sie "ja eh eine habe", wird heftig beklatscht. "Bingo" und erste "Super"-Rufe sind zu hören.

Bei der VP gibt es für Fischer nur Häme - etwa für den Verholperer, dass er "mit Kirchschläger noch nach seinem Tod Kontakt hatte". "Das schafft nur Lotte Ingrisch, und die ist bei uns", kriegen sich Benita-Klatscher kaum ein. Schon gar nicht, als Ferrero-Waldner ihren Kampf gegen die Sanktionen rühmt. "Unsere Löwin", tanzen Jungschwarze im Löwenkostüm.

"Ha, gut gegeben"

Ein Schwarzer sorgt bei den Roten für Enthusiasmus: Fischer liest lobende Zitate Andreas Khols über sich vor, die im begeisterten "Ha, gut gegeben" fast untergehen. Spott dafür für Ferrero, die keine "Super-Außenministerin" sein will: "Ist sie ja jetzt a ned." Spätestens beim Thema Neutralität sind alle sicher: "Jetzt führt der Heinz eindeutig."

Kurze Totenstille dafür bei der VP, ausgerechnet bei einem Ferrero-Satz. "Stellen Sie sich vor, beim nächsten Mal findet ein Regierungswechsel statt" - das will sich niemand vorstellen. Den erlösenden Applaus bekommt Fischer, für: "Das mit der Marionette würde ich zurücknehmen."

Marionette

Diese Fischer-Verteidigung Ferrero-Waldners, als ihr Oberhauser unterstellt, eine Marionette des Kanzlers zu sein, wird auch in der SPÖ hervorgehoben, als "typisch Fischer-fair". SP-Chef Alfred Gusenbauer kann die "Größe, Ferrero in Schutz zu nehmen", gar nicht oft genug würdigen.

Fair? Das fällt in der ÖVP niemandem zu Fischer ein. Hier heißt er "Parteisoldat". Würstel finden reißenden Absatz - bis die Partystimmung stoppt. Immer wieder will Oberhauser wissen, ob Ferrero eine Wahlempfehlung von Jörg Haider will: "Warum haben Sie Angst, die Frage zu beantworten?" Schwarzes Luftanhalten. Bis sie endlich sagt: "Wünschen tue ich mir alles, erwarten tu' ich sie mir nicht." Erleichterter Jubel: "Sie hat gewonnen, bravo!" Siegesjubel auch bei der SPÖ: "So gut war Fischer noch nie!" Und wer das nicht so sieht, hat ein anderes TV-Duell gesehen, basta. Denn, wie urteilt eine SP-Mitarbeiterin: "Fischer war klar besser. Wenn man das ganz objektiv betrachtet." (DER STANDARD, Printausgabe 17./18.4.2004)

Von Eva Linsinger
und Peter Mayr
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    Vor dem ORF-Zentrum trafen die Wahlkampfhelfer der Kontrahenten aufeinander.

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