Chronologie: Die Adlon-Affäre um Bundesbankchef Welteke

29. April 2004, 19:46
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Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet am 3. April erstmals über Weltekes Übernachtung im Adlon

Hamburg - Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, war in den beiden vergangenen Wochen immer stärker unter Druck geraten. Er hatte sich und seiner Familie einen viertägigen Silvester-Aufenthalt zur Euro-Bargeld-Einführung 2001/2002 im Berliner Luxushotel Adlon von der Dresdner Bank bezahlen lassen. Am Freitag trat er zurück. dpa dokumentiert den Verlauf der Affäre:

  • 3. April: Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet erstmals über Weltekes Übernachtung im Adlon. Danach soll sich die von dem Geldinstitut bezahlte Rechnung auf 7.661,20 Euro belaufen haben. Noch am selben Abend weist Welteke am Rande der EU-Finanzministerkonferenz nahe Dublin Forderungen zurück, er müsse sein Amt ruhen lassen. "Wenn ich an einer Veranstaltung eines Dritten teilnehme, gehe ich auch davon aus, dass von dem die Kosten übernommen werden."

  • 5. April: Welteke räumt in einer Erklärung "Missverständnisse" ein und begleicht die Rechnung nachträglich durch die Bundesbank und aus eigener Tasche. Ein Fehlverhalten seinerseits sieht er nicht. Finanzminister Hans Eichel (SPD) geht erstmals auf Distanz, betont aber, die Bundesbank habe selbst über Konsequenzen zu entscheiden.

  • 6. April: In erneuten Stellungnahme bedauert Welteke das Nachspiel seines umstrittenen Hotelaufenthalts und kündigt an, der Vorstand werde sein Verhalten prüfen. Am Nachmittag gibt die Frankfurter Staatsanwaltschaft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Welteke wegen des Anfangsverdachts einer Vorteilsnahme bekannt. Die Bundesregierung drängt jetzt auf eine schnelle Entscheidung. Am Abend verkündet Welteke: "Ich sehe bisher keinen Grund zurückzutreten."

  • 7. April: Der Vorstand der Bundesbank empfiehlt Welteke, sein Amt vorübergehend ruhen zu lassen. Welteke kommt der Empfehlung nach. Einen hinreichenden Grund für eine Abberufung Weltekes sieht der Vorstand nicht. Bundesbank-Vize Jürgen Stark übernimmt kommissarisch die Amtsgeschäfte Weltekes. Das Finanzministerium kritisiert den Beschluss des Vorstands, verlangt weitergehende Konsequenzen.

  • 9. April: Weltekes Sohn berichtet über Details aus der Silvesternacht. "Wer die Reise bezahlen würde, war mir in diesem Moment ziemlich schnuppe, muss ich gestehen", sagt Hans Welteke dem Berliner "Tagesspiegel". Er habe damals mit seiner Freundin auf seinen dreijährigen Bruder aufgepasst.

  • 12. April: Vor dem Hintergrund des Welteke-Falls keimt der Streit um einen möglichen Verkauf der Goldreserven der Bundesbank erneut auf. Spekulationen aus Vorstandskreisen der Bundesbank zufolge will die Bundesregierung aus dem Verkauf einen zweistelligen Milliardenbetrag erlösen. Weil Welteke den Plänen in dieser Form nicht zustimmen wollte, habe die Bundesregierung die Ablösung Weltekes betrieben.

  • 13. April: Minister Eichel bezeichnet den "Kurzurlaub" Weltekes als nicht hinnehmbar und fordert indirekt dessen Rücktritt.

  • 14. April: Die Bundesregierung warnt den Bundesbank-Vorstand, in der Luxushotel-Affäre "auf Zeit zu spielen". Die Staatsanwaltschaft lässt sich Unterlagen von der Dresdner Bank aushändigen.

  • 16. April: Welteke tritt zurück.
(APA/dpa)
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