Konkurrenz ist geil

16. April 2004, 18:15
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Es ist gut zu wissen, dass die Konkurrenz jenseits der Grenze auch nach Österreich wirkt - von Leo Szemeliker

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit hört man von Kaufleuten das Lamento, dass ebenso böse wie erfolgreiche Werbesprüche wie "Geiz ist geil" "uns die Preise zusammenhauen". Weil die Konsumenten eben so animiert würden, mehr auf ihr Börsel und auf das Bankkonto zu achten. Man kann die jammernden Händler irgendwie sogar verstehen. Entsprechend der Wirtschaftstheorie strebt ja jedes Unternehmen im Prinzip danach, ein Monopol zu bilden. Freier Markt liegt ja an sich nicht im Interesse eines Unternehmers. Doch Innovation entsteht nur durch Konkurrenz.

Diese wird mit dem EU-Beitritt Tschechiens, der Slowakei, Ungarns und Sloweniens für die heimischen Autohändler härter werden, keine Frage. Vor allem bei den kleineren Fahrzeugen sind die Listenpreise in den Erweiterungsländern teilweise eklatant niedriger. Auch dort wird um jeden Kunden gekämpft, da der Motorisierungsgrad noch nicht so hoch ist wie bei uns.

Das Zeitfenster für Schnäppchenjäger, die in den neuen Ländern nach Billigautos wildern werden, ist ohnehin klein. Denn vor allem in Grenzgebieten wie Bratislava oder Westungarn steigt das Einkommensniveau rasant an und wird durch laufende Betriebsansiedelungen westlicher Firmen weiter gepusht. Preise entstehen hüben wie drüben durch Angebot und Nachfrage. Auch in Österreich können den Händlern derzeit hohe Rabatte wie selten zuvor abverhandelt werden.

Auch wenn nur die wenigsten im Ausland statt beim Händler im Ort kaufen werden: Es ist gut zu wissen, dass die Konkurrenz jenseits der Grenze auch nach Österreich wirkt. Und dass Autohändler nicht mehr per Gebietsschutz das Quasimonopol für ihre Marke genießen. Denn beim Service mancher Händler ist noch durchaus Platz für Innovation. (Der Standard, Printausgabe, 17.04.2004)

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