Kleinautos in Osteuropa billiger, größere nicht

25. April 2004, 18:23
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Die Preisharmonisierung im Vergleich mit den EU-Erweiterungsländern ist bei größeren Pkw fortgeschritten - Kleinautos sind hierzulande aber noch teurer

Wien – "Ab einem ausstattungsbereinigten Nettopreisunterschied von zehn Prozent zahlt es sich vielleicht aus, sich in den Erweiterungsländern um billigere Autos umzuschauen. Bei weniger hat es wahrscheinlich nicht viel Sinn", sagt Helmut Hackner, Geschäftsführer der Österreichtochter des britischen Unternehmens Jato Dynamics, laut eigenen Angaben der weltweite Marktführer bei Informationsauswertungen von Neuwagendaten. "Aber man muss ja auch noch berücksichtigen, wer welche Rabatte geben kann und was im Kulanzfall zu erwarten ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein österreichischer Importeur kulant ist, wenn Sie das Auto in Tschechien gekauft haben."

Hackners Modellrechnungen für den Standard ergaben, dass die Preisharmonisierung bei den teureren Autos schon recht weit fortgeschritten ist.

Bei Kleinwagen ein teures Land

Bei den Kleinwagen ist Österreich hingegen – nach Listenpreisen gerechnet, die unterschiedliche Ausstattung noch unberücksichtigt – eindeutig ein teures Land. Das hat damit zu tun, dass im Klein- und Kleinstwagensektor die Konkurrenz und damit der Preiskampf in den Erweiterungsländern viel härter als bei uns ist, da in diesen Segmenten aufgrund der Einkommenssituation derzeit noch die höchsten Stückzahlen abgesetzt werden.

Preiskämpfe

Der Preis ist also immer von der lokalen Nachfrage abhängig. Interessant ist dabei, hat der österreichische Branchendienstleister Eurotax festgestellt, dass Modelle von Marken wie Skoda oder Suzuki in jenen Ländern, in denen die Fahrzeuge hergestellt werden, also Tschechien und Ungarn, zuweilen teurer sind als in Österreich.

Preiskämpfe wie derzeit in Slowenien üblich, können deswegen auch ergeben, dass beispielsweise beim "Auto des Jahres 2004", dem Fiat Panda, in den Jato-Kalkulationen Nettopreisunterschiede von 24 Prozent zu Österreich (ausstattungsbereinigt: 22 Prozent) zu erkennen sind.

Der österreichische Marktführer VW ist indessen mit der Preisharmonisierung bei seinem Volumensmodell Golf schon sehr weit, stellte Jato fest. Beispielsweise hat ein Modell mit 1,9-Liter-Turbodieselmotor in Slowenien einen Nettolistenpreis (ohne Steuern und Abgaben), der 92 Prozent des Österreichpreises beträgt. Berücksichtigt man die bessere Ausstattung in Österreich (in diesem Fall: Bremsassistent und Stabilitätskontrolle) reduziert sich der Abstand von acht auf vier Prozentpunkte. Dies ist aber noch nicht bei allen Herstellern so: Bei Opel oder Renault, so Hackner, sind bei einer Untersuchung vor einiger Zeit ausstattungsbereinigte Unterschiede von zehn bis 14 Prozent herausgekommen. "Doch die Autopreislisten ändern sich heute rasend schnell. Wir haben bei 4900 Pkw, die wir beobachten, 10.600 Datenänderungen pro Jahr. Es wird spannend, was nach dem 1. Mai (EU-Erweiterung, Anm.) passieren wird."

Reparaturen

Bei den Reparaturen sieht die Sache laut Branchenbeobachtern derzeit so aus: Die Ersatzteilpreise sind in etwa gleich hoch wie in Österreich, die Technikerstunden billiger. Obwohl es schon bisher möglich war, Autos im Ausland reparieren zu lassen, hat ein Massenansturm auf grenznahe Werkstätten bisher nicht stattgefunden. Dazu kommt, dass außer in Sopron und Bratislava die Werkstattdichte jenseits der Grenzen niedrig ist. (Leo Szemeliker, Der Standard, Printausgabe, 17.04.2004)

  • Bei den Kleinwagen (Foto: Renault Clio) ist Österreich – nach Listenpreisen gerechnet, die
unterschiedliche Ausstattung
noch unberücksichtigt – eindeutig ein teures Land.
    foto: renault

    Bei den Kleinwagen (Foto: Renault Clio) ist Österreich – nach Listenpreisen gerechnet, die unterschiedliche Ausstattung noch unberücksichtigt – eindeutig ein teures Land.

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