TV-Duell: Umfragen weisen auf Remis hin

21. April 2004, 16:19
68 Postings

SPÖ-Kandidat "sattelfester" - ÖVP-Kandidatin punktet bei internationaler Kompetenz - Mit Infografik

Wien - Drei Meinungsumfragen, drei verschiedene Ergebnisse: Das Fessel-GfK-Institut, das für die ÖVP die Meinungsumfragen im Wahlkampf betreibt, sah nach der TV-Konfrontation Benita Ferrero-Waldner voran. Bei der von der SPÖ in Auftrag gegebenen Ifes-Umfrage schnitt dagegen Heinz Fischer besser ab. Knapp fiel eine Gallup-Umfrage aus: Dort galt Fischer als überzeugender, Ferrero-Waldner schnitt aber insgesamt besser ab. Fischer wurde als sattelfester in Sachfragen und als kompetenter empfunden, Ferrero-Waldner punktete dagegen mit Entschlossenheit und Sympathie.

Laut einer Umfrage des Gallup-Instituts hat ÖVP-Kandidatin Benita-Ferrero-Waldner zwar "alles in allem den besseren Eindruck" gemacht (49 zu 46 Prozent), ihr SP-Konkurrent Heinz Fischer wirkte aber "überzeugender" (47 zu 44) und kompetenter in Sachfragen (49 zu 36).

Ausgeglichen auch die Bewertung durch Politologen: Für Anton Pelinka hat Fischer im ersten Teil der Diskussion überraschend unsicher gewirkt, "das hat sich aber im Lauf der Debatte gegeben". Dafür habe Ferrero-Waldner zwischendurch immer wieder Hänger gehabt. "In der ersten Hälfte ist Heinz Fischer untergegangen, ist dann aber immer besser geworden", glaubt auch Wolfgang Bachmayer von OGM. Angesichts der geringeren Ausgangserwartung sieht Bachmayer Ferrero-Waldner leicht im Vorteil.

Für die Parteien ist die Sache jedenfalls klar: Kurt Bergmann, Leiter des Ferrero-Waldner-Komitees, geht davon aus, dass die VP-Kandidatin "nach einer beeindruckenden Aufholjagd als erste in die Zielgerade" einbiegen werde. Was wiederum SP-Klubchef Josef Cap nicht glauben kann, schließlich habe die TV-Konfrontation gezeigt: "Heinz Fischer will Bundespräsident werden und Benita Ferrero-Waldner will Außenministerin bleiben."

Unterschiedlich auch die Bewertung durch FPÖ und Grüne: Für Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hat sich Ferrero-Waldner in der Debatte "wacker geschlagen", Fischer sei aber trotzdem "leicht vorne gelegen". FPÖ-Obmann Herbert Haupt lobte dagegen die "überzeugende Leistung" Ferrero-Waldners. "Meine Ehefrau Renate war so überzeugt, dass sie heute dem unabhängigen Unterstützungskomitee von Dr. Ferrero-Waldner beigetreten ist", sagte Haupt zur APA. Eine offizielle Wahlempfehlung gibt es weder von Blau noch von Grün.

Kritik an Fischer kommt indessen vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F), der den SP-Kandidaten beschuldigte, bei der TV-Debatte die Unwahrheit gesagt zu haben. Haider nimmt dem SP-Kandidaten jedenfalls sein Verhalten bei der Wahl von Rechnungshofpräsident Franz Fiedler im Jahr 1992 übel. Fiedler war damals in geheimer Abstimmung mit schwarz-blauer Mehrheit gewählt worden, die Stimmzettel der Freiheitlichen waren aber mit einem "F" markiert.

Der damalige Nationalratspräsident Fischer sah durch die Markierung das Wahlgeheimnis gefährdet und ließ die Sitzung unterbrechen. Nach Beratungen der Klubchefs wurde die Wahl wiederholt und Fiedler - diesmal ohne markierte Stimmzettel - zum Rechnungshofpräsidenten gekürt. Bei der TV-Debatte auf dieses Thema angesprochen, verteidigte Fischer seine damalige Vorgehensweise, was den damaligen FP-Klubchef Haider nun offenbar erbost hat. Gelegenheit zu einer Aussprache gibt es am kommenden Dienstag beim Kandidatenhearing der FPÖ mit Fischer. (red/APA/DER STANDARD, Printausgabe 17./18.4.2004)

  • Umfragen-Vergleich zur TV-Diskussion der Hofburg-KandidatInnen

    Umfragen-Vergleich zur TV-Diskussion der Hofburg-KandidatInnen

Share if you care.