Wer tritt Weltekes Nachfolge an?

18. April 2004, 19:17
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Union für Vize Stark - Laut Bericht Einigung auf Staatssekretär Tacke - Finanzministerium: Noch keine Entscheidung

Frankfurt/Main - Nach dem Rücktritt des deutschen Bundesbankpräsidenten Ernst Welteke wird nun über die Nachfolge gerätselt. Das Bundesfinanzministerium bekräftigte am Samstag, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen und an Spekulationen beteilige man sich nicht. CDU-Haushaltsexperte Dietrich Austermann schlug den derzeitigen Bundesbank-Vize und kommissarischen Präsidenten Jürgen Stark vor. Als Kandidaten sind zudem die Staatssekretäre Caio Koch-Weser und Alfred Tacke im Gespräch.

Schröder und Eichel angeblich für Tacke

"Focus"-Online berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesfinanzminister Hans Eichel (beide SPD) hätten sich bereits auf den Wirtschafts-Staatssekretär Tacke geeinigt. Die Bundesregierung darf im Einvernehmen mit dem Bundesbankvorstand einen Kandidaten vorschlagen. Ernannt wird er vom Bundespräsidenten.

CDU-Chefin Angela Merkel erklärte, es müsse ein Nachfolger gefunden werden, der fachlich qualifiziert sei und die Unabhängigkeit der deutschen Währungshüter garantiere. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber sagte, die Bundesregierung dürfe keine "bequemere Persönlichkeit" an die Spitze der deutschen Notenbank setzen.

Welteke trat am Freitag zurück

Welteke war am Freitagnachmittag zurückgetreten. Zwei Wochen zuvor war bekannt geworden, dass er sich und seine Familie von der Dresdner Bank zu einem Aufenthalt im Luxushotel Adlon hatte einladen lassen. Ihm war Interessenverquickung vorgeworfen worden, da die Bundesbank die Geschäftsbanken zu beaufsichtigen hat.

"Focus" berichtete am Samstag vorab, die Einladung ins Adlon sei eine außergewöhnliche Vorzugsbehandlung für Welteke gewesen. Die übrigen prominenten Gäste der Dresdner Bank zur Euroeinführung 2002 seien im billigeren Hotel Dorint einquartiert worden.

"Rücktritt notwendig"

Eichel wertete den Rücktritt "angesichts der bereits bekannten und neuer Vorwürfe" als notwendig. Scharf griff der SPD-Minister zugleich die Opposition an: Sichtbar werde jetzt, dass die Kampagne, die die Opposition gegen die Bundesregierung gestartet habe, "verlogen und unanständig" sei.

Die Union hatte über eine mögliche Intrige Eichels zur Ablösung Weltekes spekuliert. "Focus" zitierte einen Vorstand der Dresdner Bank zu der Euro-Einladung, Angebote und Abrechnungen von Veranstaltungen mit Eichel und Bankchef Bernd Fahrholz seien damals immer über den Schreibtisch von Eichels PR-Berater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle gegangen.

Die Union hält an dem Plan fest, Eichel vor den Haushaltsausschuss des Bundestags zu zitieren. "Wir werden nicht nachlassen, die Intrige gegen Welteke aufzuklären", sagte Haushaltsexperte Steffen Kampeter der "Rheinischen Post" (Samstagausgabe).

Neue Vorwürfe

Am Freitagabend waren neue Vorwürfe gegen Welteke bekannt geworden. Er soll 2003 eine Einladung von BMW zur Formel 1 nach Monte Carlo angenommen haben. BMW habe die Einladung bestätigt, meldeten das ARD-Hauptstadtstudio und der "Münchner Merkur" übereinstimmend. Da BMW wie andere Autofirmen auch eine Bank betreibe, falle dieser Teil des Unternehmens unter die Aufsicht der Bundesbank. Welteke habe dem Autorennen am 1. Juni 2003 in Begleitung seiner Frau auf der BMW-VIP-Terrasse beigewohnt. BMW habe die Kosten für eine Übernachtung auf einer privaten Yacht sowie die Tickets für die VIP-Terrasse übernommen. (APA/AP)

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