Powell: Bin Laden kann Europa und die USA nicht spalten

18. April 2004, 13:11
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US-Außenminister "erfreut" über ablehnende Reaktion der Europäer

Washington/Moskau - US-Außenminister Colin Powell hat sich "erfreut" über die "klare" ablehnende Reaktion europäischer Staaten auf das jüngste "Versöhnungsangebot" von Terroristenführer Osama bin Laden geäußert. Die Europäer hätten gezeigt, dass sie sich von Bin Laden nicht terrorisieren ließen, sagte Powell in mehreren Interviews am Donnerstag (Ortszeit) in Washington. Dem Terroristenführer werde es nicht gelingen, Europäer und Amerikaner zu spalten. Es bestehe Einigkeit darüber, dass man mit Terroristen wie Bin Laden keine Abkommen treffen könne.

Das "Versöhnungsangebot" ist auf einem Tonband enthalten, das Bin Laden zugeschrieben und vom US-Geheimdienst CIA für höchstwahrscheinlich echt gehalten wird. Auch Powell sagte, die ihm vorliegenden Informationen deuteten darauf hin, dass es sich um die Stimme des El-Kaida-Führers handele. Er bietet auf dem Tonband den Europäern den Verzicht auf Terroraktionen an, wenn sie ihre Truppen aus islamischen Ländern abziehen.

Spitzenpolitiker aus ganz Europa, darunter auch die deutsche Bundesregierung in Berlin, hatten die "Offerte" zurückgewiesen. Auch Russland schloss sich am Freitag dieser Haltung an. "Damit versucht er (Bin Laden) nur, die Anti-Terror-Koalition zu spalten, an der auch Russland beteiligt ist", sagte ein Sprecher des Moskauer Außenamts.

Terrorabwehrexperten der US-Regierung arbeiteten unterdessen mit Hochdruck an der Analyse des Bandes. In ersten Reaktionen verwiesen Spezialisten darauf, dass Bin Ladens Äußerungen "meisterhafte" Fähigkeiten in der psychologischen Kriegsführung widerspiegelten. Das Band zeige, dass er die "Natur" westlicher Demokratien verstehe und die Ereignisse dort verfolge. Seine Botschaft ziele weniger auf die Regierungen ab, sondern auf die Bevölkerung. "Er verfolgt die Nachrichten ganz klar und versucht, aus der öffentlichen Debatte über den Irak-Krieg Nutzen zu ziehen", zitierte die "Washington Post" einen Experten. (APA/dpa)

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