Zypern rechnet nach EU-Beitritt mit mehr illegaler Einwanderung

18. April 2004, 17:06
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Verstärkung der Küstenwache und zahlreiche Festnahmen

Nikosia - Zypern rechnet mit einem drastischen Ansteigen der Zahl illegaler Einwanderer, die versuchen könnten, die Mittelmeerinsel nach deren EU-Beitritt als Sprungbrett in den Westen zu nutzen. Die zypriotische Regierung hat im Hinblick auf den EU-Beitritt am 1. Mai die Küstenwache verstärken lassen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden rund tausend illegale Migranten festgenommen. Die meisten von ihnen stammten aus Syrien, dem Libanon, dem Iran und dem Irak. Dies geschah auch auf Druck von Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Nach ihrem Beitritt ist die Insel der östlichste EU-Außenposten. Nach italienischen Schätzungen passieren bereits jetzt 50.000 illegale Einwanderer im Jahr die Gewässer Zyperns mit dem Ziel EU. Die Regierung in Nikosia setzt die Arbeitgeber unter Druck, keine illegalen Einwanderer mehr zu beschäftigen. Derzeit arbeiten nach Schätzungen 40.000 von ihnen im griechischen Süden der Insel - genauso viele Migranten arbeiten legal auf Zypern. Asylbewerber haben kaum eine Chance auf der Insel: Seit Anfang 2002 wurden von fast 5000 Asylanträgen nur sechs positiv behandelt.

Die international anerkannte Regierung im griechischen Süden fürchtet zudem, dass der türkisch besetzte Norden zum Schlupfloch für illegale Einwanderer werden könnte. Unabhängig vom Ergebnis der Volksabstimmungen in beiden Inselteilen tritt ganz Zypern völkerrechtlich am 1. Mai der Europäischen Union bei. (APA)

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