Zukunftsforscher sieht Trend zu "moralischer Nahrung"

23. April 2004, 20:20
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Essen mit Verantwortung, aber auch Lust an der Authentizität und begrenztes Zeitbudget als Rahmenbedingungen

Wien - Neue Essensformen in verschiedensten Variationen wird die künftige Ernährung bringen, so die Prognose des Zukunftsforschers Matthias Horx bei der Konferenz "Vision Essen-Culinary Visions" in Wien. Die Postindustrielle Gesellschaft bringe neue Gerichte mit neuen Funktionen, erklärte er. Deftiges und schweres Essen gehe daher zu Gunsten von innovativeren Formen wie etwa gesünderem Fast Food zurück.

"Früher war man nach dem Essen zwei Stunden müde, heute überlegen sich die Menschen: 'Kann man sich das noch leisten?'", meinte Horx. Er prophezeite eine immer spezialisiertere Ernährung. So werde etwa Fast Food, derzeit noch mit dem Image von ungesunden Fettbomben belegt, zunehmend zu einer Art "Fast Good" aufgewertet. Auch die Inhaltsstoffe werden laut Horx eine immer stärkere Rolle spielen. Er brachte den Begriff "Brain Food" ins Spiel: Dieses würde nach den Auswirkungen auf das Denken ausgewählt und konsumiert.

Essen mit Verantwortung

Eine völlig neue Ebene bringt "Moral Food" ins Spiel, das auf dem "Öko-Bio"-Trend aufbaut. Ein Beispiel dafür wäre fair gehandelter Kaffee, in dessen Anbaugebiet zusätzlich eine seltene Vogelart geschützt wird, so Horx. Gutes Essen wird mit Verantwortungsgefühl und in letzter Linie wohl auch gutem Gewissen gepaart.

Gleichzeitig gebe es einen immer stärkeren Drang zu authentischem Essen, das einen starken regionalen Touch hat. Spezialitäten mit begrenztem Angebot würden diesem Bedürfnis Genüge tun.

Sauberkeitsaspekte

Ganz extrem: "Clean Food", vor allem für Kranke und Allergiker. Dabei handelt es sich um völlig reine, unverändert ursprüngliche Nahrungsmittel, also das Gegenteil zu funktionellem Essen.

Ein anderer Trend ist die verstärkte Nahrungsaufnahme am Schreibtisch, sagte Fredrik Nauckhoff vom Nahrungsmittelhersteller Nestle. Was man dabei alles mitisst, dürfte nicht im Sinne des Konsumenten sein: Auf einem durchschnittlichen Arbeitsplatz finden sich rund 400 Mal so viele Bakterien wie auf einem Toilettensitz, erklärte er.

Schnell reinhauen ...

Nauckhoff sieht einen verstärkten Trend zu fertigem Essen, entweder für zu Hause oder auswärts. Er schilderte auch ein Extrem in Sachen Fast Food: Im japanischen Restaurant "Toh-Ten-Koh" wird Essen vom Buffet angeboten, wobei nicht nach Menge, sondern nach Zeit verrechnet wird - im Minutentarif. (APA)

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